Sonntag, 23. Juni 2013

Sich als Animefan outen oder lieber nicht?



Ich denke mal, dass viele damit vertraut sind...Man lernt jemand neues kennen, unterhält sich schön, versteht sich gut und dann werden im Gespräch Interessen und Hobbys zum Thema. Ich muss ehrlich sein.



Ich hänge meine Hobbys sowie Interessen in Richtung Anime und Manga nicht an die große Glocke, daher muss ich sie auch nicht immer erwähnen. Das kommt natürlich auch immer auf die Person an, mit der ich es gerade zutun habe. Ist es jemand, der eindeutig in die Sparte "Party-Mensch"(sprich heutzutage "Normalo") hinein gehört, bin ich etwas vorsichtiger und gebe eher nicht preis, dass ich auf Animes stehe.
Da würden sich eingefleischte Fans natürlich fragen warum, man braucht sich doch nicht für seine Leidenschaft zu schämen, sondern sollte gefälligst dazu stehen. Das stimmt schon und ich halte es auch für richtig. Aber ich bin von im wesentlichen kein Mensch mit zuviel Selbstbewusstsein und bin immer darauf bedacht, was andere von mir halten. (Jaaa ich weiß, es ist nicht gut, man sollte auf die Meinung anderen einfach sche*ßen und sein Ding leben..). Aber da ich eben doch ein ziemlich schüchtener Mensch bin und eben neue Bekanntschaften nicht gleich verschrecken will, umgehe ich dieses Thema am liebsten. Ich weiß doch meist, dass die Reaktionen bei solchen Menschen immer nicht gut ausfallen. Wer weiß was die für Vorurteile gegenüber Manga/Anime haben und was sie dann von halten, möcht ich erst gar nicht wissen..

Kenne ich diese Person allerdings länger, wage ich es auch mal das Thema anzusprechen. Es ist überraschend, wie die Reaktionen ausfallen. Da gibt es Leute, die extrem überrascht tun und meinen: "Wah echt? Du stehst auf sowas?" Eine Reaktion, die man vielleicht nicht ganz so gut deuten kann - Entweder sie stehen ziemlich neutral diesem Thema gegenüber oder irgendetwas anderes... Dann wieder welche, die mein Hobby als Kinderkram abtun, eindeutig negative Reaktionen. Dann wiederum andere, die sich dann auch als Fan outen und und und.

Ja man kann natürlich nicht vom Aussehen gleich herleiten, welche Interessen/Hobbys dieser Mensch hat. Manchmal ist nicht alles so wie es scheint. Daher ist es vielleicht auch nicht gut Menschen in bestimmte Kategorien einzuteilen; leider bin ich aber jemand der das gerne tut. Ich meine, die Menschen drücken durch ihr Aussehen auch einen Teil ihrer Persönlichkeit mehr oder weniger aus. Richtige Otakus sehen aber auch nur wie normale Menschen aus. (Wobei es auch da wieder Extremfälle geben kann bzw. auch Vorurteile wieder zu finden sind.) Und wenn ich dann all die schick gekleideten Mädchen sehe, denke ich mir, dass sie eindeutig nicht diesselben Interessen haben wie ich (also bezogen auf Anime und Manga). Das kann natürlich auch täuschen, aber leider in den wenigstens Fällen.

So z.B. bei meiner einen Freundin, man könnte schon meinen, dass sie ein ziemliches Partygirl ist, denn sie trägt schicke Klamotten, sowie Make-Up, ist immer perfekt gestylt und selbstbewusst wie auch aufgeschlossen. Für jeden Spaß zu haben und kennt auch viele Leute. Außerdem geht sie öfters auf Partys oder einfach nur Abends weg. Also einfach mal das genaue Gegenteil von mir selbst zusammengefasst. Und man glaubt es kaum: Sie ist auch Fan von Animes! Schockierender wäre es wohl, wenn sie ein Otaku wäre, denn das würde jedes Klischee verletzen. Aber nein, sie ist auch ein Animefan wie ich, wenn auch ein nicht sooo ernormer. Außerdem zeichnet sie auch gerne Mangabilder, was man von ihr ebenso nicht erwarten würde. Wir verbrachten teilweise ganze Nachmittage damit bei ihr zuhause auf Animax Animes random zu schauen. Als wir noch etwas jünger waren, haben wir glaube ich auch sogar paar Szenen aus dem Anime Ranma 1/2 nachgespielt und Digimon-CDs gehört. Das waren vielleicht noch Zeiten *schwärm*. Ich denke aber mal, dass sie genauso wenig wie ich jemanden gleich gestehen würde, was ihr ganz spezielle Vorliebe ist.

Es ist einfach so, dass Anime und Manga eben nicht ganz so in unsere Gesellschaft und Kultur integriert sind und viele Menschen mit diesen Begriffen nicht viel anfangen können. Zwar boomt die Anime und Manga Szene seit einer ganzen Weile schon, aber sie ist und bleibt eben außergewöhnlich wie ein Paradiesvogel. Kein Wunder also, wenn Cosplayer komisch angeschaut werden und junge Leute wie ich mit einem missbilligenden Blick bestraft werden, nur weil wir mal einen Manga in die Schule/Uni gebracht haben (mittlerweile mache ich das nicht mehr). Naja andererseits hat es ja auch seinen Reiz, dass Animanga doch etwas besonderes hier in Deutschland ist. Ob ich mich deswegen auch als etwas Erhabenes sehe? Eindeutig nein, ich fühle mich dagegen eher wie ein kleiner Außenseiter. Und das spüre ich auch schon seit meiner Kindheit, wobei mein Außenseiterdasein anfangs vielleicht nichts damit zutun hatte, dass ich auf Animes stehe.  Dazu vielleicht in einem anderen Bericht.


Die Überschrift lautet ja "Sich als Fangirl outen" und das ist vor allem für jemanden wie mich schwierig. Als ich noch zur Schule ging, habe ich es ebenso nicht direkt innerhalb der Klasse erwähnt, man hat es wohl eher nur beiläufig mitgekriegt, wenn ich mal wieder im Unterricht/in den Pausen/ gezeichnet habe. Dabei haben mich einige Schulkameraden immer begeistert angeschaut und mich für meine Fertigkeit gelobt. Das war immer wieder schön, so etwas zu erleben. Die Lehrer haben noch weniger mit bekommen, außer vielleicht meine Kunstlehrer. Aber denen war es wirklich nur egal. Was meine Familie betrifft...ich habe bis vor einem Jahr noch mit meiner Mum gelebt (mein Vater ist gestorben als ich noch sehr klein war, der Rest der Familie ist in Vietnam bzw. teilweise irgendwo in Deutschland - da gibt es nur wenig Kontakt) und sie weiß sicherlich von meinen Interessen, aber so richtig darauf eingegangen ist sie nicht. Ich nehme an, das hat auch was Gutes; schließlich gibt es sicherlich auch Eltern die das einfach nicht nachvollziehen können und dagegen sind.
Wohingegen ich meine Hobbys sehr gut ausleben kann, ist bei meinen Freunden. Mein kleiner, aber feiner Freundeskreis besteht nur aus Leuten, die ebenso diese Hobbys teilen. Demzufolge wird darüber natürlich auch gerne geredet, diskutiert etc.; wobei ich sagen muss, dass die Interessen innerhalb von Anime und Manga sich stark unterscheiden, weil der eine das Genre x und der andere das Genre z lieber mag.
Da hab ich jemanden, der ausschließlich auf Shonen steht, dann wieder jemanden der liebend gern Yaoi verschlingt und dann wiederum jemanden der genauso wie ich Shojo-Mangas vergöttert. Geschmäcker sind eben unterschiedlich und das kann auch positiv sein.

Ich bin froh, dass alle meine Freunde ähnliche Vorlieben haben, ich kann mir ehrlich gesagt auch gar nicht vorstellen mit jemanden befreundet zu sein, der absolut nichts mit Manga/Anime am Hut hat...Mag jetzt vielleicht extrem klingen, aber es macht eben den Großteil meiner Freizeit aus, auch wenn ich noch viele andere Hobbys habe. Ich kann mich vielleicht einigermaßen gut mit "normalen Menschen" (ihr wisst wie ich das meine) verstehen, aber zu einer tiefgründigen Freundschaft könnte sich das nicht zwischen uns entwicklen, aufgrund unterschiedlicher Hobbys. Natürlich gehört mehr als nur gemeinsame Hobbys/Interessen zur Freundschaft dazu, nämlich vor allem die Charaktereigenschaften die harmonieren müssen, sowie Wertvorstellungen, Ansichten, Meinungen etc. Aber bei mir ist es einfach so. Das heißt aber nicht, dass ich mich mit allen Fans verstehe, da gibt es auch wieder Differenzen. Aber gemeinsame Hobbys machen schon mal eine gute Grundlage für eine Freundschaft aus.
Gott ich bin vom Thema abgekommen...ich hoffe das macht nichts. >_____< Wenn ich einmal am quatschen/schreiben bin, werden gerne einmal verschiedene Themen angesprochen.


Nun frage ich mich, ob es euch vielleicht auch so wie mir geht. Seid ihr eher Menschen, die nur ungern vor Leuten, die ihr nicht gut kennt, erwähnt, dass ihr auf Animes und Manga steht. Oder eher das Gegenteil: Ihr müsst es einfach erwähnen, wenn ihr über euch selbst redet, denn es macht viel von euch selbst aus. Und wie reagiert dann eurer Umfeld? Habt ihr da positive/negative Erfahrung mit gemacht?
Ich würde mich über jegliche Meinungen und Kommentare sehr freuen! ^_____________^

Kommentare:

  1. Also bei mir ist es ähnlich.
    Wenn ich jemanden neu kennenlerne, würde ich den Redefluss nicht von mir aus auf das Thema Anime/Manga lenken. Denn hier in Deutschland gibt es noch zu viele, die nichts darüber wissen, es als "Comics" abtun od Vorurteile hegen. Leider gibt es auch genug "Fans" dieser Szene hier, die es übertreiben und somit ein falsches Bild davon vermitteln (wodurch sicher auch die Vorurteile entstehen).
    Ich freue mich immer wieder darüber, wenn ich per Zufall entdecke, dass mein Gesprächspartner ebenfalls Interesse an Animanga angibt. Und schon läuft das Gespräch viel leichter :)
    Einmal war ich wirklich überrascht (ich meine, den meisten Menschen sieht man es ja nicht an) und habe gefragt, warum er das nicht eher gesagt hat und er antwortete: "Du hast ja nicht gefragt."
    Ich wäre nie darauf gekommen, das einfach zu fragen, da ich es ja auch nicht einfach preisgebe.
    Naja, man kann sagen, ich habe positive, aber auch negative Erfahrungen gemacht. Meine beste Freundin ist noch verrückter als ich :D und umso mehr liebe ich sie ;)
    Aber die meisten anderen in meinem Bekanntenkreis teilen meine Leidenschaft leider nicht. Oft werde ich auch damit aufgezogen, solchen "Kinderkram od Schnulli" zu lesen bzw. zu schauen. Ja, manchmal wird man auch zum "Freak", wobei ich dieses Kommentar versuche, lieber als Kompliment aufzufassen (-> otaku, wobei ich weit entfernt davon bin, einer zu sein (zu meinem Leidwesen ;) ))
    Daher fühle ich mich in Gegenwart von meiner Freundin am wohlsten. Ach und meine Eltern verstehen es auch nicht.
    Aber das alles hält mich nicht davon ab, alles rundherum um Japan u Animanga zu lieben. Denn schließlich gibt es genug andere da draußen, die so fühlen wie wir :D
    Das klingt jetzt irgendwie komisch oder? ;)
    Lg, Rin-ko.

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  2. Erstmal vielen dank für deinen ausführlichen Kommentar! :)
    Da magst du sicherlich recht haben, dass es einige sehr extreme Fans gibt, die dann die normalen Menschen eher abschrecken als neugierig machen. In der Hinsicht sollte man aber auch wie bei vielen anderen "Subkulturen" die Menschen nicht immer in eine Tonne werfen (bezüglich der Vorurteile), sondern differenziert denken.
    Ich finde es nach wie vor echt schade, dass Mangas/Anime immer noch mit "Kinderkram" verglichen werden, meist natürlich von Leuten die absolut keine Ahnung davon haben. Das lässt sich leider nicht so sehr ändern, es sei denn man versucht diese Leute "aufzuklären". Ich persönlich sehe mich auch als ein kleiner Freak aber ebenso im positiven Sinne.
    Ja das mit dem Otaku-Dasein hat auch sicherlich seine Vor- und Nachteile.^^
    Genau, zum Glück gibt es ja Animeforen, Blogs, Conventions, durch welche man Gleichgesinnte finden kann.

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    1. Ja, ich lese wirklich gerne Blogs: ob über Animes/Mangas, Japan od japanisches Essen. Ich möchte mich irgendwann mal an der japanischen Küche versuchen ;). Ob das gut geht?
      Ich war leider noch nie auf einer Convention, möchte aber unbedingt mal auf eine gehen (od auch den Japantag in Düsseldorf). Es hat sich halt nie ergeben, denn wenn ich mal auf eine gehen werde, möchte ich unbedingt in der Gruppe od als Pärchen coslayen.
      Aber wenn, dann ein Originalkostüm, da ich finde, gerade das macht den Reiz aus.
      Ich hoffe, es gibt bald noch ein paar Kommentare und Meinungen. Mal sehen, was andere darüber denken.
      Lg, Rin-ko.
      Ach so, wegen den Vorurteilen u "KInderkrams": Das sind Leute, wie du schon sagtest, die nichts darüber wissen und sich sicherlich auch nicht dafür interessieren. Aber mal eine Frage an diese Leute: Wenn Mangas Kinderkram wären, würdet ihr eueren Kindern Hentai-Mangas zum Lesen geben? (od Ecchi, Yuri, Yaoi,etc.) Od manche Horror-/ Action-Shounen mit viel Blut und Morden. Na ich weiß ja nicht, ob das wirklich für Kinder geeignet ist, auch wenn dort gezeichnete Figuren zu sehen sind, macht es die Sache doch nicht kindergerechter od?

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    2. Diesselbe Vorliebe habe ich ebenso. :)
      Na probieren geht über studieren, sag ich nur; wer nicht wagt, der nicht gewinnt.^^
      Ich würde mich ebenso mal in der japanischen Küche austoben, habe sogar einmal Sushi mit meiner Mum gemacht, war wirklich sehr lecker. :)
      Da geht es dir wie mir. Ich war zwar schon mal bei der Leipziger Buchmesse, aber als richtige Anime/Manga-Convention würde ich sie nicht wirklich bezeichnen.
      Bist du vielleicht bei Animexx angemeldet? Da sind ja wirklich eine Menge Anime/Manga-Fans und wie ich weiß, sehr viele Cosplayer, vielleicht findet man da den einen oder anderen für eine Convention. ;)
      Cosplayen wäre wirklich mal eine tolle Sache, aber eben sehr kosten- und zeitaufwendig...

      Ja das hoffe ich auch sehr, vielleicht sind einige Leser ja etwas schüchtern was das Posten von Kommentaren betrifft :(

      Ich glaube, spätestens dann würden sie ihre Meinung auch endlich mal ändern. Nur weil die Figuren meistens süß aussehen, heißt es nicht, dass die Thematik die behandelt wird auch gleich für Kinder geeignet ist. Das sollten sich die Leute mal bewusst machen. Aber es wird ja sowieso immer gleich alles nach dem ersten Eindruck verurteilt...^^´ Auf die inneren Werte kommt es auf den ersten Blick erstmal nicht so an.
      Wobei ich finde, dass es eben auch Mangas gibt, die eher in Richtung Comic gehen und die spalten sich doch auch in verschiedene Genres für verschiedene Zielgruppen.

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