Sonntag, 10. Juli 2016

Was ist ein Weeaboo?



Ein Weeaboo (aka Wapanase) ist ein englischer Slang, bestehend aus den zwei Worten „white“ und „japanese“ und beschreibt eine Person (meist nicht japanischer Herkunft) , die Japan und alle japanischen Dinge vergöttert. Der Begriff ist eher negativ geprägt, ein Stereotyp bezüglich japanischer Kultur und Importe.


Herkunft

Das Wort "Wapanese" wurde ursprünglich in den frühen 2000ern eingeführt, die früheste Google-Aufzeichnung notiert das Jahr 2002, danach heißt es, dass ein Wapanese jemand ist, der von japanischer Kultur besessen ist. Dies umfasst sowohl Manga Hentai als auch Anime.

Ab 2003 wurde der Begriff in 4chan verwendet und führte zu negativen Diskussionen zwischen Anime und Manga Fans und denen, die nicht so an der Subkultur interessiert waren.
Mitte 2005 wurde der Begriff Wapanese durch "Weeaboo" ersetzt, ein fiktionaler Ausdruck von Nicholas Gurewitch. Im ursprünglichen Sinne meinte er damit nicht unbedingt eine bestimmte Person, sondern Bestrafung. Doch von da an, wurde das Wort einfach für Wapanese verwendet.


Stereotypen

Es gibt eine Unmenge an Online-Diskussionen, die die Stereotypen und Wesenszüge eines "Weeaboos" behandeln, meist auf humoristische Art und Weise. Folgende stereotype Vorstellungen spiegeln sich in dem Begriff wider:

- übertriebener Gebrauch japanischer Wörter
- eindeutige Idealisierung japanischer Importe und Abwertung Produkte, die aus dem eigenen Land stammen
- Suche nach japanischen Partner
- Fähigkeit sich Anime Openings zu merken

Verbindung zu Otakus

Die Trennung beider Begriffe ist nicht so einfach, da beide Subkulturen ähnliche Interessen aufweisen /Anime, Manga Cosplay) haben und die gleiche soziale Stigma aufweisen als "nicht gesunde Hobbys".

Eine mögliche Unterscheidung wäre folgende:

Otaku: ist ein Slang aus dem japanischen Sprachraum und anderen asiatischen Kulturen, der jeden beschreibt, der sich einem bestimmten Thema oder Hobby unterwirft (nicht unbedingt nur Anime) sodasss er im schlimmsten Falle das Haus nicht mehr verlässt (siehe Hikikomori).

Weeaboos: ist ein Internetausdruck vor allem in englischsprachigen Räumen um einen Gaijin (also Ausländer im Japanischen) zu beschreiben, der heftige positive Voreinnahmen bezüglich Japan hat.


Nach dem „Urbandictionary“ ist mit „Weeaboo“ eine Person gemeint, die:

1. von Japan/Japanischer Kultur und Anime etc. besessen ist und sich so verhält als wäre sie japanisch, auch wenn sie es eindeutig nicht ist.
2.  japanische Wörter benutzt, diese aber in der Regel falsch ausspricht und idiotisch klingt.
3. das meiste Wissen dieser Personen über Japan und die Sprache basiert auf der japanischen Popkultur wie Anime und Manga
4. die japanische Kultur so sehr idealisiert, dass die sie als viel besser als andere ansehen.
Alles, was also aus Japan kommt, muss gut sein, egal ob das der Realität entspricht oder nicht. Das geht soweit, dass man beginnt alles aus der eigenen Kultur abzulehnen und zu hassen. Dazu kommt eine starke Romantisierung Japans, man idealisiert alles, was mit Japan zu tun hat. Dabei kann man sich nicht eine negative Sache an Japan vorstellen, was tatsächlich unrealistisch ist, weil jedes Land auch negative Seiten besitzt.


Wie man nicht zum „Weeaboo“ wird

Interessant war bei meiner Recherche, dass es doch tatsächlich eine Anleitung gibt (http://de.wikihow.com/Nicht-zum-Weeaboo-werden), die einem zeigt, wie man nicht zum "Weeaboo" wird. Im Umkehrschluss kann man aus der Anleitung entnehmen, was einen Weeaboo ausmacht und wie man also nicht in diese negative Schublade fällt. An sich eine gute Idee, die ich doch glatt mal prüfen wollte.


Weeaboos verwenden einen typischen Jargon, der aus gebrochenem und nicht vollständigem Japanisch in lockeren Gesprächen zum Einsatz kommt, meist dann auch sehr empathisch und dramatisch. Dabei wird das Japanisch grammatikalisch falsch verwendet und könnte auch in Kontakt zu wirklichen Japanern als unsensibel aufgefasst werden. Darüber hinaus kann dieses Verhalten hinderlich sein, später ernsthaft Japanisch zu lernen. Wichtige Wörter, die sich diese Gemeinschaft angeignet hat sind folgende:

Kawaii (かわいい)
Deutsche Aussage + desu (です)
Variation: Deutsch + japanisches Adjektiv + desu (です). Zum Beispiel: " Ich habe die Prüfung bestanden, also weißt du, ich bin kakkoii desu."
Endsilben wie -kun (-くん) und -chan (-ちゃん)
Baka (ばか)
Sugoi (すごい)
Chibi (ちび)
Ne! ()

Ein Tipp also für Weeaboos, die es nicht mehr sein wollen, wäre an dieser Stelle, sich ernsthaft mit der japanischen Sprache zu befassen, einen Sprachkurs zu belegen. Natürlich können Anime und Manga sehr hilfreich sein, grundlegende Wörter zu lernen und auch im weiteren Lernprozess ist vor allem das Lesen von Manga sinnvoll. Aber allein beide als Lernquelle zu verwenden, ist nicht so gut, weil die verwendete Sprache eben nicht die ist, die wirklich im japanischen Alltag verwendet wird.

Es wird auch darauf hingewiesen, nicht auf eine unnatürliche Art und Weise japanische Sachen zu bevorzugen und komplett dabei hyperzuventilieren. Dahinter steckt die Annahme, dass man generell davon ausgeht, dass Produkte aus Japan viel besser sind, weil man dieses Land eben vergöttert. Das allein wäre nicht schlimm, wenn es nicht einfach nur unrealistisch wäre, doch hinzu kommt auch eine Abwertung nicht japanischer Produkte.
Weeaboos fallen außerdem durch ihre doch ziemlich auffällige Kleidung auf, die sich nach japanischen Modekonventionen richten, darunter fallen Cosplays aber auch alltägliche Kleidung, die bestimmten japanischen Moderichtungen entsprechen (z.B. Gothic Lolita, Gyaru etc.)

Ein sehr wichtiger Hinweis in dieser Anleitung ist, dass man sich durch japanische Dokumentationen bilden soll. Dieser Ratschlag gründet auf der Tatsache, dass Weeaboos, wie schon erwähnt, ihr Wissen über japanische Kultur und Sprache besonders aus Manga und Anime entnehmen, sich aber nicht anderweitig informieren. Manga und Anime sind natürlich kulturelle Produkte aus Japan und spiegeln damit auch wesentliche kulturelle Züge wider, wie ich auch bereits erklärt hatte. Aber Fiktion hundertprozent mit der Realität gleichzusetzen, ist doch recht naiv. Es handelt sich immer noch um fiktionale Erzählungen mit überzogenen Figuren und verrückten alltagsfremden Geschichten, auch wenn sie realistisch anmuten sollten.

Vieles aus der japanischen Kultur wird teilweise sehr übertrieben dargestellt, Manga und Anime wollen ja nicht unbedingt über Japan informieren, sondern vordergründig unterhalten,. Daher ist es normal, dass sie vieles nicht so darstellen, wie es in Echt ist. Das wollen sie ja auch nicht. Sicher kann man Anime und Manga als ersten Ansatzpunkt verwenden um in die japanische Kultur Einblicke zu bekommen. Doch um mehr zu erfahren, reicht das nicht. An dieser Stelle sollte man dann seine Nase in Bücher und Zeitungen stecken, Dokumentationen schauen, sich im Internet informieren. Dann wird man feststellen, dass die japanische Kultur noch viel mehr umfasst als Manga und Anime. Natürlich kann es erschreckend und desillusionierend, wenn man feststellt, dass nicht alles stimmt, was man aus Animanga kennen gelernt hatte. Aber so ist eben die Realität.

Wer viel Zeit hat und sich wirklich für die japanische Kultur interessiert sollte eigene Recherchen anstellen und vielleicht in Erwägung ziehen Japanologie zu studieren. ich denke mal,. dass es keine bessere Möglichkeit gibt sich wirklich intensiv und vielseitig mit Japan auf wissenschaftlicher Ebene zu befassen. Das bedeutet aber auch, dass nicht nur japanische Popkultur behandelt wird, sondern sehr viel mehr. Ihr werdet feststellen, dass das nur einen kleinen Teil Japans ausmacht. Neben geschichtlichen Fakten, wird man auch etwas über Wirtschaft, Politik, die Gesellschaft etc. Erkenntnisse erhalten. Empfehlenswert ist es auch sich durch anderweitige Kurse in bestimmten Bereichen zu bilden. Beispielsweise könnte man japanische Teezeremonie oder Kalligraphie beginnen oder lernen wie man einen Kimono anlegt.



Bin ich ein „Weeaboo“?

Nun bin ich selbst ein großer Fan von Japan und der japanischen Pop- wie auch traditionellen Kultur und frage mich, inwieweit ich mich selbst als ein Weeaboo bezeichnen würde. Das Lustige ist ja, dass eindeutige „Weeaboos“ abstreiten, dass sie welche sind, weil mit dem Begriff eben eine negative Wertung mitschwingt. Ich will jedoch ehrlich zu mir und zu euch, meinen Lesern sein, und werde mal prüfen inwieweit die Kriterien auch auf mich zutreffen oder nicht.

1. Ein Weaboo Ist besessen von Japan/Japanischer Kultur und Anime etc. besessen und verhält sich so als wäre sie japanisch, auch wenn sie es eindeutig nicht ist.

Dazu müsste ich etwas weiter ausholen und definieren, was Besessenheit oder Sucht überhaupt meint. Ich stelle mir darunter einen übertriebenen Konsum japanischer Produkte vor. Der gesamte Alltag ist von japanbezogenen Dingen geprägt, ein Leben ohne wäre gar nicht möglich. Man interessiert sich also nur von Japan und alles damit zusammenhängt, während andere Interessen und Hobbys vernachlässigt werden. Das klingt auch so, als wäre man in seiner eigenen Welt und würde sich für die „reale“ nicht interessieren. Ist das bei mir so?

Ich beantworte das mit einem deutlichen NEIN. Natürlich hege ich ein starkes Interesse gegenüber Japan und ich leugne auch nicht, dass ich erst mit Manga und Anime mit dem Land und der Kultur Japans in Berührung gekommen bin. Doch ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass sich mein gesamter Alltag nur um Japan dreht. Manchmal stelle ich mir zwar vor, wie wohl ein Leben in Japan wäre, aber es ist noch nicht so weit gekommen, dass ich meinen Alltag vernachlässige. Ich bin immer noch im hier und jetzt. Ich interessiere mich schon sehr für Japan und fast alles, was damit zu tun hat, aber mein Interesse ist doch noch in einem gewissen Rahmen, auf keinen Fall übertrieben. Ich informiere mich gerne über Japan, ab und zu habe ich mal Lust Blogs über Japan zu verfolgen und zu lesen und immer mal wieder neue Facetten meines Lieblingslandes zu entdecken. Ja ich bevorzuge Japan gegenüber anderen Ländern, weil ich die Kultur eben faszinierend finde. Aber ich bin nicht besessen davon, dass ich 24 Stunden am Tag alles über Japan heraus finden will.

Ich habe genug andere Interessen und Hobbys, die ich pflege und nur ein kleiner Bruchteil meiner Freizeit widme ich mich Japan und der japanischen Popkultur. Inzwischen ist das Interesse nicht mehr so stark wie früher. Wie ihr sicherlich festgestellt habe, schaue ich eigentlich kaum noch Anime, was verschiedene Gründe hat. Zum einen wegen meiner anderen Hobbys und weil mich momentan kein Anime so wirklich packt. Manga lese ich eigentlich auch nur noch sporadisch einmal die Woche höchstens und kaufe mir auch nur meine bevorzugten Mangaserien, aber auch nicht mehr so regelmäßig wie früher. Wenn ich mein Konsumverhalten mit meinem früheren vergleiche, sehe ich deutliche Unterschiede. Das bedeutet aber nicht, dass mein Interesse erloschen ist. Ich interessiere mich weniger für den Konsum der Animanga, dafür liegt mein Fokus mehr auf der Reflexion und wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Manga und Anime, was sich in meinem Blog und meinem noch ausstehenden Buch darüber zeigt. Auch verfolge ich mit großem Interesse diverse Manga/Animeblogs. Meine Leidenschaft für die japanische Kultur ist noch immer präsent, sodass ich auch da immer mal einige Internetrecherchen mache.

Was dann das japanische Verhalten betrifft, muss ich sagen, dass ich da schon mehr in diese Richtung tendiere. Ich bin aber von Natur aus eher schüchtern, reserviert und sehe da schon ziemlich große Übereinstimmung zum japanischen Verhalten und Werten. Ich bin hilfsbereit und will auch niemanden zur Last fallen, teilweise bedanke und entschuldige ich mich wegen jeder Kleinigkeit und versuche in gewisser Weise „mein Gesicht zu wahren“. Was dem entgegen steht ist mein Bestreben mich selbst zu entfalten und eine individuelle Persönlichkeit zu entwickeln, was eher nicht dem japanischen Normen entspricht. In der japanischen Gesellschaft ist man eher geprägt, dass man sein Wohl dem der Gesellschaft unterordnet und sich anpasst, was auf mich nicht so sehr zutrifft. Klar, ich versuche nicht aufzufallen oder etwas zu tun, was andere verärgert, aber ich gehe auch soweit, dass ich alles gut finde und mache, was der Mainstream verlangt. Schlussendlich will ich damit sagen, dass ich schon einige japanische Züge habe, wobei ich nicht sagen kann, dass sie wirklich japanischspezifisch sind, denn auch in Europa gibt es genug Menschen, die gleiche Eigenschaften haben. Da ich außerdem schon vor meiner Anime/Manga zeit so war, würde ich sagen, dass das also nichts mit Japan an sich zu tun hat, trotz Ähnlichkeiten.


2. Weeaboos benutzen japanische Wörter, sprechen diese aber in der Regel falsch aus und klingen wie totale Idioten.

Bei diesem Punkt kann ich schon eindeutig NEIN sagen. Zwar verwende ich hin und wieder mal die typischen Slangwörter, die man aus Anime/Manga kennt, aber glücklicherweise nicht im übertriebenen Maße nur ab und zu, einfach um Lachen zu erzeugen. Ich meine es dann auch nicht wirklich ernst und versuche es auch so gut wie es geht auszusprechen. Es klingt zwar einfach nur witzig, sodass ich selbst drüber lachen muss. Anders als Weeaboos, die es wirklich ernst damit meinen, ist mein Gebrauch japanischer Wörter eher für komische Zwecke gedacht.


3. Das meiste Wissen über Japan und die Sprache basiert auf der japanischen Popkultur wie Anime und Manga.

Das kann ich nicht eindeutig mit JA oder NEIN beantworten. Zugeben muss ich nämlich, dass mein gesamtes Vorwissen über japanische Kultur und Sprache tatsächlich aus der japanischen Popkultur stammt. Sie war schließlich der Ausgangspunkt meines Interesses. Andererseits will ich nicht sagen, dass mein gesamtes Wissen über Japan nur aus Manga und Anime herkommt.

Denn ich weiß ja, dass die japanische Popkultur eben alles auch etwas verzerrt darstellt. Es sind kein verlässlichen Quellen, zwar erste Orientierungspunkte, aber nicht das Nonplusultra. Wie ihr sicherlich gemerkt habt, gründen auch meine Japan-Artikel nicht unbedingt auf Anime und Manga. Wenn ich mich über Japan informieren will, dann recherchiere ich im Internet auf spezifischen seriösen Japanseiten. Ich habe auch Blogs, die sich mit japanischer Kultur befassen wie Tofugu, Japanpowered oder Popyura (wissenschaftlicher Blog über japanische Popkultur), aber auch realitätsnahe Blogs, die über den Alltag in Japan berichten und das auch ungeschminkt. Generell verbringe ich Zeit damit immer wieder neuen Blogs über Japan zu finden, die vor allem aber auch objektive Fakten bringen, aber auch persönliche Eindrucke finde ich gut und lese ich gern.

Während meiner Recherche für meine Diskussions-Artkel und auch mein Sachbuch über Manga habe ich viel wissenschaftliche Literatur durchforstet, gelesen und verarbeitet. Ich finde es auch spannend, Manga und Anime aus wissenschaftlicher Perspektive zu behandeln. Dadurch bekommt man wirklich Hintergrundwissen zu Manga und Anime, beschäftigt sich mit den beiden auf einer eher sachlicheren Ebene. Dann sind Manga und Anime für mich nicht nur einfach Unterhaltungs- und Konsumgegenstände, sondern vor allem wissenschaftliche Objekte, die sehr interessante aber auch kritische Aspekte vorweisen. Ich nehme es nicht einfach nur hin, was mir Animanga auftischen, ich gehe reflexiv und kritisch damit um, wie man hoffentlich an meinen Artikeln sehen konnte. Ich schaue auch immer, was in Animanga an Japanischen Dingen dargestellt wird und frage mich „Ist das wirklich so?“ bzw. „Inwiefern spiegeln Manga und Anime japanische Kultur wider?“. Das sind so meine hauptsächliche Fragestellungen, die ich immer wieder aus verschiedenen Perspektiven bearbeite und beantworten will.

Insofern kann ich also die Frage eigentlich mehr mit einem NEIN beantworten, wenn ich mich entscheiden müsste. Neben Manga und Anime, habe ich weitaus mehr Informationsquellen, die ich heranziehe, um etwas über Japan zu erfahren.


4. Die japanische Kultur wird stark idealisiert, sodass sie als überlegener gegenüber der eigenen und anderen Kulturellen betrachtet wird.

Das ist ein Kriterium, bei dem ich etwas schwanken muss und wiederum zu einem „JEIN“ tendiere. Es ist wahr, dass ich in den ersten Jahren meiner Fanzeit Japan stark idealisiert habe und tatsächlich fast alles sehr anziehend finde, was aus Japan kommt. Sobald ich irgendetwas im zusammenhang mit Japan höre, sehe oder erfahre, werde ich hellhörig und interessiert. Japan ist also ein Stichwort, womit man mich immer ködern kann. Als ich vorhin meinte, dass ich mir immer mal vorstellen, wie ein Leben in Japan wäre, habe ich also schon indirekt gesagt, dass ich tatsächlich eine romantische Vorstellung von Japan habe. Die Argumente für Japan überwiegen. Doch nachdem ich mich immer mehr mit Japan beschäftigt habe, fernab jeder japanischen Popkultur, habe ich auch während meiner Recherchen für meine Japanartikel negative Aspekte gefunden, die mir die Augen geöffnet haben. Japan ist nicht so toll, wie ich es dachte, es gibt genug kritische Aspekte, wie u.a. Mobbing, Karoshi, die Prüfungshölle in Japan, das Geschlechterverhältnis, das konformistische Denken, die Yakuza, Kinderpornographie, die Scheinheiligkeit vieler Japaner etc. um nur einige wesentliche Kritikpunkte zu nennen.

Ich bin mir also durchaus bewusst, dass Japan nicht perfekt ist und es genug Schattenseiten meines Lieblingslandes gibt. Dennoch finde ich Japan toll, auch wenn ich weiß, dass es nicht perfekt ist. Ich interessiere mich nicht nur für die positiven, sondern auch für die negativen Seiten des Landes, auch die sind spannend. Mein Interesse ist also ambivalent. Noch immer mag ich Japan und werde es nicht bestreiten, dass ich es doch anderen Ländern bevorzuge, weil mich einfach die Stärken und positiven Facetten reizen. Die werden deswegen nicht schlechter, auch wenn ich mir der Schattenseiten bewusst bin. Ich bin nur nicht der Auffassung, dass man eben die negativen Seiten zugunsten der positiven verdrängen sollte. Das würde auch dem Land nicht gerecht werden, weil man es nicht so akzeptiert wie es ist. Es gehört eben dazu, man muss es nicht gut reden, sondern einfach nur akzeptieren mehr nicht.

Ich bin auf der anderen Seite aber nicht wie ein Weeaboo der Ansicht, dass mein eigenes Land oder andere Länder wesentlich schlechter sind als Japan. Sie sind weder besser noch schlechter, denn jedes Land hat seine Vorzüge und Schattenseiten, wenn man sie vergleichen würde. Mein Interesse ist subjektiv und soll gar keinen objektiven Anspruch haben. Was jeder gut oder schlecht findet, ist doch Geschmackssache. Jeder soll das mögen und nicht mögen, was er will, dazu hat jeder ein Recht. Ich finde Deutschland und so manch andere Länder wie die USA und Englisch toll und interessant, bin mir aber auch hier bewusst, dass nichts perfekt ist. Ich erkenne auch Vorzüge Deutschlands gegenüber Japan, wie u.a. das etwas lockere Bildungssystem, weniger Leistungsdruck, mehr Freiheit, Individualität etc.

Abschließend kann ich also zu diesem Punkt sagen, dass ich Japan nicht idealisiere, sondern mir bewusst bin, dass es auch Schattenseiten gibt. Gleichfalls hebe ich Japan auch nicht auf einen Thron, sondern erkenne, dass Japan wie jedes andere Land Vor-und Nachteile hat.



Zusammenfassend kann ich also die Frage, ob ich ein „Weeaboo“ bin mit NEIN beantworten. Sicher es bleibt Fakt, dass ich irgendwie japanophil bin, dass ich ein starkes Interesse für Japan entwickelt habe und weiterhin behalte werden. Aber es bleibt alles in einem übersichtlichen Rahmen.


Nun interessiert mich, was ihr davon haltet.

Habt ihr schon einmal von dem Begriff „Weeaboo“ etwas gehört? Was haltet ihr von dem Konzept? Kennt ihr jemanden, auf den das passt? Würdet ihr euch selbst als „Weeaboos“ bezeichnen? Seht ihr Unterschiede zu Otakus?

Kommentare:

  1. Deine umfassende, analytische und unterhaltsame Betrachtung des Themenbereichs Animanga,Japan usw. macht deinen Blog um vieles interessanter als vergleichbare Blogs, die meist nur auf Rezensionen beschränkt sind. Bin gespannt auf dein Buch. Lg ein treuer Mitleser

    AntwortenLöschen
  2. Von dem Begriff "Weeaboo", also der Bezeichnung für das Phänomen, höre ich hier zum ersten Mal, auch wenn ich zugeben muss, dass ich, wie bei so vielen Dingen, bislang nie aktiv danach gesucht habe. Oft genug tritt der Fall ein, dass ich mir denke, hey, gib es so etwas oder hat schon mal jemand x und y getan? Meistens ist es dann tatsächlich so. Skuril wird es, wenn man anfängt sich zum Beispiel Gedanken darüber zu machen, was die verrücktesten Todesarten oder Weltrekorde sind.

    Diese Sorte von 'Freaks' habe ich aber tatsächlich schon gesehen. Sie finden sich in Forenbeiträgen, bei Rezensionen und sind gerne auch mal schlechte fanfiction Schreiber. Sowas lese ich dann meist erst gar nicht, da es bei einer lesenswerten Geschichte um mehr geht, als das Einstreuen klanghafter japanischer Vokabeln. Mir ist tatsächlich im Umkehrschluss aufgefallen, dass ausgerechnet die international erfolgreichen Serien meist internationale Namen haben. Son Goku, Tony Chopper oder Chihiro kann sich jedes Kind problemlos auf jedem Kontintent merken. Aber das ist ein Merkmal, dass auf die gesamte Literatur zutrifft.(Ist auch Thema in dem Writing Fiction Buch, das ich mal durchgearbeitet habe. Die wirklichen großen Geschichten legen wert auf Minimalismus. Soll heißen, wenn man mit drei wesentlichen Charakteren auskommt, anstelle von fünf, dann sollte man das tun. Und dann sind Namen eine Wissenschaft für sich. Wahrscheinlich einer der Gründe, weshalb Namen wie Sherlock Holmes oder Tom Sawyer oder Alice so mega populär sind, ist ihr schöner Klang, der sich leicht merken lässt)

    Das Konzept lässt sich von seinem Prinzip her nicht nur auf Anime, Manga und Japankultur übertragen, sondern auf alles mögliche. Sobald Menschen nicht mehr zwischen negativ, neutral und positiv unterscheiden können, geht es schon los. Gerade als Geschichtsstudent dreht sich mir der Magen um, wenn ich sehe, wie Menschen über internationale Politik reden. Da sind dann wahlweise die USA oder Russland oder Europa entweder gut oder böse. Differenzierung findet kaum noch statt. Ein Problem, das im Übrigen auch den künftigen US-Präsidenten betrifft, denn der kennt ja auch nur 'Nazi-Germany', Muslime nur als Terroristen und Mexikaner als illegal Eingewanderte.

    Dieses Prinzip, dass jemand oder eine Gruppe sich selbst als überlegen ansieht, beziehungsweise so erzogen wird, dass andere überlegen seien, ist ein gewaltiges Problem, über das sich die Geschichtswissenschaft Gedanken macht (und naürlich nicht nur die - das wäre dann ja auch einseitig :D) Schwerpunkte sind hier die Kritik an 'Kolonialismus', an 'Eurozentrismus'(die 'Ökonomisierung der Welt und die Vormachtstellung des Wirtschaftsdenkens. Dadurch werden zum Beispiel Lateinamerika oder Afrika ständig diskriminiert, obwohl dort auch intelligente Menschen leben und es sehr viel Lebensfreude und Kultur gibt), am 'Amerikanismus' (bspw. der Glaube, Amerikaner seien der Schmelztiegel der europäischen Kulturen und damit kulturell der gesamten Welt überlegen und müssten nun jedem helfen und jeden missionieren), an der 'Nostalgie der Sowjetunion' (der Irrglaube, Russland sei immer noch gleichberechtigte Weltmacht zusammen mit den USA - wobei das dank den USA-Wahlen 2016 tatsächlich wieder eintreten könnte)

    Aber das beste Beispiel für die Sehnsucht nach Kultur, Würde und Naturverbundenheit als Postualt einer philosophisch überlegenen Lebensweise ist ja vor Japan noch China, und dann gibt es ja noch Indien. Der Shintoismus wird genauso als Vorbild gesehen, wie Buddhismus, Konfuzianismus, Daoismus oder Hinduismus. Überall ist doch die Werbung voll mit Chakramassage, Elementenlehre, Ying und Yang, Yoga, Veganern - dabei werden sich nur wenige mit den Hintergründen beschäftigen. Zum Beispiel mit den historischen Gegebenheiten von Shaolin Mönchen, oder wieso manche Schriften wie das Daodejing überhaupt geschrieben wurden, was da an Politik und Militär der jeweiligen Epoche hinter steckt.
    [1 von 2]

    AntwortenLöschen
  3. Die Teezeremonie ist dann ein Beispiel, was du selbst anbringst. Man muss ja nicht erst nach Japan oder China reisen, um leckeren Tee zu genießen. Für die japanische und chinesische Küche gilt ähnliches in Sachen Überlegenheitsdenken, denn auch deutsche oder italienische oder französische Küche kann sehr schmackhaft sein. Wobei man auch hier wieder aufpassen muss, denn zum Beispiel gibt es ja nicht "Die Landesküche", jedes Bundesland bzw. jede Region eines Landes hat so seine eigenen Spezialitäten. Interessant wird es hier zum Beispiel, wenn man Küstenregionen miteinander vergleicht. In Ligurien und Kalabrien wird man bestimmt genauso üppig Fisch verspeisen wie in Shikoku, Chugoku oder anderswo. Und wenn es um Teetradtion geht, gibt es faszinierende Überschneidungen zwischen der englischen und der norddeutschen (friesischen) Teekultur. Wobei da dann aber generell wieder die Kultur der Hanse mit reinspielt.

    Deine Definiton von Otaku trifft übrigens einen Nerv bei mir, da ich mir schon die ganze Zeit denke, wieso dieser Begriff so häufig verwendet wird. Da ich zufällig weiß, dass Japaner ja generell von Comics oder Animation sprechen - von der eigenen, wie von der ausländischen - und eher die Ausländer die Kategorisierung und Typisierung des spezifisch japanischen Anime als Abrgenzung zum westlichen Comic vornehmen, hat es mich gewundert, warum sich Animefans, also Fans, nochmal einen Eigennamen geben. Es sind eben Fans einer Sache.

    Und Fans zeichnen sich meiner Meinung durch Stolz und Öffentlichkeit aus, das heißt, sie verfolgen eine Sache nicht still und heimlich, bzw. neutral, sondern zeigen bewusst jedermann, womit sie sich in ihrer Freizeit beschäftigen. Das Paradebeispiel sind in Deutschland die Fußballfans. Da hab ich schon so einige getroffen. Während ich dann den Ergebnissen neutral gegenüberstehe, bzw. mich ab und an über 'sensationelle Geschichten' freue, wenn David gegen Goliath gewinnt (letzte Saison zum Beispiel in England Leicester City als Überraschungsmeister und in Deutschland dann sowas wie Darmstadt 98) gibt es andere, die da völlig mitgehen. Die haben dann Fanzubehör wie Tassen, T-Shirts, Schals etc. und treffen sich bewusst in der Kneipe, um das Dabeisein zu zelebrieren. (Ich war ein paar Mal als "Besucher" dabei - eine exotische Welt für sich - vor allem die Kommentare vom Stammtisch. Nebenbei habe ich dadurch erst kapiert, woher die Stammtischparolen kommen. Alte Männer, die besoffen Dinge rufen, die jenseits der Netiquette liegen … aber lustig sind :D)

    Und noch ein Punkt, der mir beim Lesen des Artikel eingefallen ist: Die Beschäftigung mit Sprache. Wer anfängt eine Sprache zu lernen, der gerät über die Fallbeispiele der Lernbücher ja generell auch an Politik, Gesellschaft, Kultur, Geographie usw. des jeweiligen Landes. Ich wünschte, es gäbe so etwas wie ein bedingungsloses Grundeinkommen, dann würde ich der Reihe nach italienisch, russisch, japanisch usw. lernen, einfach, weil mich die Länder interessieren.

    Dabei könnte man sagen, bin ich bereits priviligiert, weil ich mit Deutsch eine superschwere Sprache einfach so als Muttersprache aufgesogen habe, weil ich als erste Fremdspache Englisch hatte, als zweite Fremdsprache Französisch (muss ich endlich mal wieder auffrischen, damit ich wissenschaftiche Texte auch auf Französisch lesen kann), und als dritte Sprache dann mal zwei semesterlang Latein - wobei letztgenanntes eher dafür gut war, meine Kenntnisse in deutscher Grammatik auszubauen.

    Doch wie traumhaft wäre es, wenn ich Light Novels im Original lesen könnte! Was mich dabei beruhigt, ist die Sache mit der Qualität. Es ist dabei wie mit jeder Literatur, das, was hohe Qualität hat, wird irgendwann in andere Sprachen übersetzt (Melancholy Of Haruhi Suzumiya), und Texte, die dann nicht übersetzt werden, fliegen oftmals aus Gründen durch das Raster der Dringlichkeit. Schade ist es natürlich nur für die Perlen, die so sehr in ihrer Nische verankert sind, dass sie es nicht aus Japan raus schaffen.
    [2 von 2]

    AntwortenLöschen