Sonntag, 14. Februar 2016

Valentinstag in Japan



 Valentinstag wird in Japan besonders gefeiert. An diesem Tag werden Frauen besonders aktiv, üben sich an ihren Backkünsten und schenken den Männern Schokolade, die entweder ein Zeichen ihrer Liebe oder Freundschaft ist.

Männer dagegen sollten an diesem Tag eher passiv sein, also sich nur beschenken lassen. Dafür haben sie genau einen Monat später sich an dem White Day zu revanchieren.

Geschichtlicher Hintergrund

Lange war der Valentinstag in Japan noch unbekannt. Doch im Jahre 1936 publizierte die Süßwarenfirma Morozoff einen Zeitungsbeitrag, in dem die Japanerinnen aufgefordert wurden, Schokolade an Valentinstag zu verschenken. Der Fokus liegt auf den Japanerinnen. Denn lustigerweise stellte sich das als Übersetzungsfehler heraus und die Firma hatte den Brauch ganz missverstanden. So glaubten also die Japaner, dass es die Pflicht der Frau wäre allein was zu verschenken.

DerSüßwarenherstellerMorzoff aus Kobe begann auch im Jahr 1936 gerade an Valentinstag Schokolade anzubieten. Jedoch war das Unterfangen nicht erfolgreich, dadurch konnte Valentinstag sich noch nicht etablieren.

Danach versuchte die Firma Moriganaga 1960 einen weiteren Versuch. Sie stellte, viele unterschiedliche Schokoladenprodukte in verschiedenen Formen her. Diese sollten junge Frauen kaufen, um ihren Geliebten auf diese Weise ihre Gefühle zu zeigen.


Valentinstag heute

In Japan ist es üblich, dass die Frauen den Männern durch die Schokolade ihre Liebe offenbaren. Doch nicht nur wird den Liebsten Schoki geschenkt, sondern auch Freunde, Bekannte, Verwandte und sogar Chefs erhalten Schokolade, wobei nicht jede Schokolade gleich ist.


Die zwei Schokoladensorten


Schokolade, die für die Liebe steht, wird typischerweise auch selbst gemacht, man steckt also seine ganzen Gefühle hinein und dadurch wird das Geschenk auch richtig persönlich. Man bezeichnet sie auch als „honmei“. Einmal die Honmei-Schokolade ((本命チョコ dt. Schokolade für den Liebling), gilt als Geschenk der Frau oder des Mädchens an den Geliebten.. Es gibt sogar richtige Kochkurse, in denen Frauen erfahren können, wie man diese Schokolade am besten zubereitet. Eine weitere Alternative um die Schokoladenherstellung zu lernen, wäre die traditionelle Vermittlung des Rezeptes über die Generationen hinweg.

Die Giri-Schokolade ((義理チョコ, Pflichtschokolade) wird dagegen allen anderen im persönlichen Umkreis geschenkt. „Giri“ bezieht sich auf das Pflichtgefühl, sowie das moralisch und sittlich richtige Verhalten. Das schließt Klassenkameraden, Mitarbeiter, Kollegen und Chefs ein, denen man die Schokolade aus sozialer Verpflichtung und Respekt übergibt. Diese wird auch meist nur gekauft und ist deswegen um einiges billiger. Daher hat diese Schokolade hat nichts mit Liebe zu tun. Giri-Choko ist heute die beliebteste Form der Valentinsschokolade.

Die Pflichtschokolade stammt aus den 70er Jahren, in denen auch ältere Frauen ihren Bürokollegen etwas schenkten. Denn diese fühlten sich dazu verpflichtet ihren Kollegen und Chefs etwas zu überreichen, aus Angst sie würden denken, dass sie sie hassen. Doch Chefs oder Kollegen, die man nicht so mochte, wurden mit billiger Schokolade abgespeist. Die beliebten Chefs oder Kollegen bekamen deutlich schönere Schokolade, die auch aufwendiger verpackt war. Man kann an der Anzahl der Giri Choco ableiten, wie beliebt jemand ist oder nicht.



Andere neue Schokoladen-Arten

Inzwischen jedoch experimentieren die Japaner bezüglich neuer Ideen für thematische Schokoladen. So gibt es seit den letzten Jahren auch die „Tomo Choko“ (友チョコ, als Freundschaftsschokolade), die den Freundinnen geschenkt wird und die „My-Choco“ (マイチョコ), die man sich selbst gönnt. Menschen, die mit Süßem und Kitschigem nichts zu tun haben, die können auch den 14. März dem Tag der Zahl Pi (engl. Pi Day), den Internationalen Stell-Eine-Frage-Tag (engl. International Aska Question Day) als nationale Alternative in Japan für sich nutzen.

Eher ein neuer Trend stellt die Schokolade „gyako-choko“, die auch als Gegenschokolade bekannt ist. Diese Schokolade wird von Männern geschenkt, die direkt am Valentinstag ihren Freundinnen ihre Gefühle zeigen wollen und nicht erst bis zum 14. März warten wollen.


Der Preis

Den Unterschied zwischen den zwei Schokoladen-Sorten sieht man auch durch den Preis. Durchschnittlich bezahlt man ca. 500 Yen  (ca. 4,50 €) für giri-Schoki und für honmei-Schokolade etwas 2.000 Yen  (ca. 18 €) . Kauft man also für 20 Leute giri-Schokolade, kann man leicht 10.000 Yen (also 75 Euro) ausgeben. Nicht gerade billig.



Verpackung und Qualität der Schokolade

Auch die Verpackung selbst kann etwas über die Qualität preisgeben. Nur weil eine Japanerin einem am Valentinstag etwas schenkt, heißt das nicht, dass sie Gefühle für einen empfindet. Deswegen muss man auf die Verpackung achten: Je stärker der rosa Farbton ist, desto mehr Sympathie hegt sie für den Beschenkten. Doch richtiges Rot wird nie verwendet.

Es ist zwar für Männer und Jungs schön beschenkt zu werden, doch muss man dafür dann auch im Gegenzug etwas dafür tun und meist dann auch teure Geschenke kaufen. Das kann bis zu einem luxuriösen Restaurantbesuch gehen. Wenn man also als Mann mehr Schoki ergattern will, um andere neidisch zu machen, muss man auch mehr Geld investieren, um die Frauen zu belohnen.


Verkauf und Marketing für die Valentinstagspräsente

Tatsächlich scheint Valentinstag als Feiertag viel wichtiger zu sein als in anderen Ländern. Man wird kommerziell gerade zu bedrängt, etwas für den Geliebten zu kaufen. An jeder Straßenecke oder in den ganzen Ländern findet man dutzende Valentinstagspräsente und andere Süßigkeiten werden einfach weg gestellt damit man genug Valentinstagsschokolade anbieten kann. Es gibt also eine riesige Auswahl und dadurch wird das Aussuchen einerseits spaßig aber auch zur Qual. Es gibt wirklich die originellsten Schokoladenarten: Süßigkeiten die mit Macadiamnüssen oder grünem Tee gefüllt sind bspw.

Der Verkauf und die Werbung der Valentinstagsüßigkeiten startet bereits Mitte Januar, nachdem die Neujahrsdekorationen abgenommen worden sind. Viele Läden sind mit sehr glamourösen und verzierten Schachteln und Pralinenkästen gefüllt. Mitte Januar findet man neben vielen Schokoladensorten, auch Förmchen, Schmelztöpfe und bunte Boxen, schließlich wird die Schoki für den Liebsten ja auch per Hand gemacht. Dann werden in Buchhandlungen etliche Bücher angeboten, die sich der Frage widmen, wie man am besten Schokolade selbst macht. Die Geschäfte bieten also allerlei Möglichkeiten, um besondere Schokolade herzustellen.

Auch die Schokoladenindustrie nutzt diesen Trend in den Kaufhäusern, die ca. 20 % ihres Jahresumsatz allein in der Woche in der Valentinstag gewinnen. Valentinstag ist gleich bedeutend mit Weihnachten in Deutschland.


White Day

Einen Monat nach Valentinstag am 14. März sind die Männer mit Schenken dran.

Dieser Brauch hat seinen Ursprung in den 70er Jahren in einer japanischen Konditor. Dieser hatte den Einfall Frauen ebenfalls Süßes zu schenken, um sich für den Valentinstag zu bedanken. Darum nutzte die Süßigkeitenindustrie diese Möglichkeit und ernannte den Tag zum „White Day“, an dem weiße Schokolade, Marhsmallows oder ähnliches Weißes vergeben wird.

Ähnlich wie beim Valentinstag schenken die Männer den Frauen Süßes, die ihnen besonders am Herzen liegen. Doch mittlerweile werden neben Süßes auch Handtaschen, Schmuck oder Accessoires verschenkt. Ein Grundsatz ist, das das Geschenk vom Mann nicht weniger Wert sein darf als das der Frau. Es soll sogar so sein, dass es den dreifachen Wert hat, was einige Frauen auch gerne für sich nutzen.

Beim White Day wird alles haarklein berechnet. Der Mann muss genau wissen, von wem er Schokolade bekommen hat und wie wertvoll diese war und dann selbst nachrechnen, wie viel er für die Gegengeschenke investieren muss. Sobald er also den Überblick verliert, hat er echt ein großes Problem zu bewältigen. Insofern haben es die Männer doch etwas schwerer was Geschenke angeht.


Wie man Valentinstagsschokolade macht

So kann man erst mal in den Backbüchern schauen, welche Art von Schokolade es am Ende werden soll. Es gibt kleine Pralinen in süßen Förmchen, ein großes Herz aus Schokolade oder Schoki in Verbindung mit Teigwaren gelten als beliebt. Hat man sich entschieden, kauft man die entsprechenden Dinge um sich ans Werk zu machen. Als erstes muss man die pure Schokolade schmelzen. Danach bringt man diese in verschiedene Formen und kühlt sie ab. Natürlich darf eine hübsche Dekoration nicht fehlen, jede Menge Streusel, Glitzerkugeln, Herzchen, Sterne und alle möglichen Verzierungen vervollkommen das Geschenk. Und natürlich darf eine süße Verpackung nicht fehlen.
Und zuletzt noch die Rezepte für Valentinstagspralinen, die ich selbst ausprobiert habe. Fazit: Sehr lecker und süß! ♥


Zuletzt möchte ich noch meine Meinung zum Thema äußern. Ich finde es sehr schön und romantisch, dass in Japan so viel Wert darauf gelegt wird dem Liebsten seine Gefühle mitzuteilen. Und finde es auch toll, dass man nicht einfach nur etwas kauft, sondern selbst macht. Solche Geschenken kommen vom Herzen und sind auch sehr persönlich. Andererseits wäre es auch schön, wenn man nicht nur Schokolade macht, sondern so wie in anderen Ländern auch einfach mal was anderes bastelt oder zusammen etwas Schönes unternimmt. Gemeinsame Zeit miteinander zu verbringen ist doch für beide sehr gut! Dass allein nur die weiblichen Verehrer etwas verschenken ist ja inzwischen Brauch, finde ich nicht so prickelnd, weswegen ich eher für die „gyako-choko“ plädiere, die die Männer direkt verschenken können. Es ist natürlich süß, dass Valentinstag nicht ausschließlich ein Fest der Liebe, sondern generell der Zuneigung aber auch ein Fest der sagen wir mal Beziehungen ist? Wobei ich diese Pflichtschokolade etwas kritisch beäuge, weil man doch nicht etwas aus Pflicht schenken sollte, so etwas sollte freiwillig passieren. Das hat dann doch eher einen negativen Zwangaspekt. Zumal Valentinstag dann ebenfalls etwas zwanghaftes bekommt. Schokolade für Freunde ist aber eine niedliche Idee, vor allem für diejenigen, die vielleicht keinen festen Partner haben und dennoch Liebe geben wollen. Liebe hat ja ganz verschiedene Formen und betrifft auch Freunde und Familie. Natürlich ist es in vielen Ländern so, dass die Industrie dadurch Gewinne macht und es ist klar, dass sie deswegen sehr viel Werbung um Valentinstag macht, aber so extrem wie in Japan ist es glücklicherweise nicht in Deutschland. Was ich wiederum auch etwas kritisch finde, dass die Männer genau auf darauf achten müssen, dass sie sich entsprechend revanchieren und sich dann an solchen Regeln halten müssen. Das schränkt doch irgendwie auch die Freiwilligkeit ein und verschleiert den Aspekt der Liebe, weil alles so berechnend und rational dann ist. Es geht doch darum, dass die Männer zeigen wie viel ihnen die Frauen bedeuten. Generell finde ich es nicht okay bei Geschenken, dass man immer darauf schaut, dass man ja nicht weniger wertvolle Sachen vergibt oder dass man immer etwas zurück schenken muss.


Kommentare:

  1. Danke für diesen süßen Beitrag! Ich finde diese Valentinstags-Traditionen echt niedlich, auch wenn der Valentinstag für mich leider nur ein Tag wie jeder andere ist.

    Ganz liebe Grüße
    Lisa ♥

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    1. Bittesehr :) Auch ich finde diese Tradition süß. :) Vielleicht führst du für dich statt dem Valentinstag einen allgemeinen Liebestag ein, an dem du dir selbst etwas gönnst und die Selbstliebe zelebrierst. ;)

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  2. Danke für den Beitrag zu dem Thema, zum generellen Thema was Geschenke angeht gibt es ja einiges. Wir Männer haben i-wie immer den "tragischeren" Teil des Geschenkthemas zu bewältigen. Das mit den Geschenken und den Gegengeschenken is ja eh so ne Sache bei den Japanern und stets eine teure Sache, egal ob Geburtstag, Weihnachten oder aus dem Urlaub zurückkommend.

    mit freundlichen Grüßen
    Linden

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    1. Ich freue mich, dass dir der Beitrag gefallen hat. :) Das hast du richtig erkannt, Japan legt wirklich einen großen Wert auf diese Geschenke-Tradition, was ich auch nicht so gut finde, sollte man an materiellen Dingen nicht so sehr festhalten.

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