Sonntag, 12. April 2015

Review: Death Parade


Gut oder böse?


Inhaltsangabe:

Nach dem Tod werden die Menschen entweder in das Nichts überführt oder wiedergeboren. Doch bevor dies geschehen kann, gelangen sie in das Quindecim, eine Bar, die von einem mysteriösen weiß-haarigen Mann namens Decim betrieben wird. Er fordert sie dazu auf, an einem Spiel, wo es um Leben oder Tod geht, teilzunehmen, bei dem ihre wahre Natur zum Vorschein kommt. Decim ist derjenige, der entscheidet, wer gewinnt oder wer verliert.

Meine Meinung:

Wie ich bereits in meinem Artikel über die ersten Eindrücke der vergangenen Season geschrieben habe, hat mich dieser Anime von Anfang an gereizt. Er hat sich allein schon von der Problematik, der Story und der Entwicklung fundamental von den restlichen meist doch sinnfreien Anime unterschieden und schien diesmal meine große Hoffnung zu werden. Gleich zu Beginn wurde man mitten ins Geschehen geworfen und hatte natürlich etliche Fragen. Anfangs wusste man absolut noch nichts über dieses ganze Beurteilungssystem und es erging einem ähnlich wie dem ersten Pärchen, was nicht wusste, warum und wie es in diese Bar gelangen konnte. Ich möchte natürlich nicht allzu sehr auf die erste Episode eingehen, jedoch darauf hinweisen, dass bereits hier etliche Twists auf uns warten, die eigentlich die gesamte Serie irgendwie ausmachen und so spannend machen. Anfangs haben wir es noch mit einem scheinbar glücklichen Ehepaar zutun, doch als sie damit konfrontiert werden, dass sie unbedingt an diesem Spiel teilnehmen müssen, weil es um ihr Leben ginge, ändert sich die Atmosphäre schlagartig. Es ist schon schwierig genug gegen andere Menschen zu kämpfen und deren „Tod“ eventuell in Kauf zunehmen, um sich selbst zu retten, aber noch schlimmer wird es, wenn der Rivale und Gegner der eigene Partner ist. 

Dabei wirken die Spiele gar nicht mal so schlimm, es sind typische Spiele, die man für gewöhnlich in einem Casino findet. Billiard, Dart, die typischen Arcade-Automaten dürften eigentlich für eine Menge Spielespaß sorgen, wäre da nicht die Angst und der Druck ums eigene Leben zu bangen. Dabei wird den Spielen aber noch eine gewisse Würze zugetan, die das ganze noch etwas gefährlicher aussehen lässt. Bei unserem ersten Pärchen war es Dart gepaart mit der Komponente, dass bei jedem getroffenen Feld auch ein Organ des jeweils anderen getroffen wird. Natürlich steigt dadurch der Nervenkitzel und man sieht dem Pärchen leidig zu wie sie sich selbst Schmerz zufügen. Schnell jedoch bemerken sie, dass man nicht unbedingt gewinne oder verlieren muss, es geht auch anders. Nach einigen Konflikten ist eine Versöhnung wieder in Sicht. Doch je weiter das Spiel voran geht desto häufiger kommen Erinnerungen hervor, die zeigen, dass die Idylle eigentlich nur Illusion war. Natürlich wirkt sich das auch auf die Emotionen und das Verhalten der Figuren aus und besonders in der ersten Episode wird es sichtbar, wie krass sich das Verhalten der Figuren von Anfang bis zum Ende verändert. 

Ich sage nur, der Schein trügt. Denn die tolle Ehe ist gar nicht so tol wie sie aussieht, denn der eine Partner hat den anderen betrogen bzw. der andere wird richtig paranoid aufgrund der Angst, dass er betrogen wurde und stalkt sozusagen den anderen. Das Ganze eskaliert und ihr könnt euch sicherlich schon ausmalen, wie es am Ende ausgehen wird. Die Erkenntnis, dass man eigentlich längst gestorben ist, wird erst am Ende gebracht durch Decim, der dann praktisch die wahre Absicht hinter dem Spiel deutlich macht. Dabei hatte ich Anfangs nicht verstanden, warum man eigentlich dieses Spiel veranstaltet, wenn sowieso egal ist wer gewinnt. Doch glücklicherweise, wird einem mehr als einmal deutlich gemacht worum es eigentlich hier geht. Es geht nicht um Leben oder Tod, denn tot sind sie schon alle, wenn sie in die Bar kommen. Indem praktisch die Lüge aufrecht gehalten wird, dass sie eigentlich noch leben aber darum kämpfen müssen zu überleben, wird die wahre Natur jedes der Individuen, die in Quindecim erscheint, sichtbar und das wahre Urteil kann gefällt werden.


Ich war wirklich von der ersten Episode an richtig erstaunt und überaus interessiert an diesem Grundkonzept, da ich es zuvor noch in keinem anderen Anime gesehen hatte. Das schon allein hat diesen Anime zu etwas ganz besonderen gemacht. Eine Bar, die als eine Art Jüngstes Gericht fungiert und doch ganz anders urteilt als man es sich eigentlich von religiöser Seite her vorstellen würde. Das hatte einerseits etwas Groteskes, aber auch spannendes. Zumal anfangs noch nicht mal sichtbar wurde, wer denn nun in die Hölle oder in den Himmel kommt. Lustigerweise wird immer wieder von Himmel und Hölle gesprochen, aber eigentlich ist das Ganze gar nicht darauf ausgerichtet, sondern auf das Nirvana, das Nichts und die Wiedergeburt. Während man bei Himmel und Hölle genau weiß, was besser und was schlechter ist, kann man es bei dem Nichts und der Wiedergeburt nur schwer erkennen, wenn man es aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. 

Erst durch diese Jenseitsvorstellung, die im Anime angerissen wurde, habe ich mich mal damit auseinander gesetzt und auch gewisse Parallelen zum Buddhismus und seiner Jenseitsvorstellung gefunden. Denn auch hier gibt es das Nirvana, was aber als Erlösung betrachtet wird, man hört aufzu existieren in irgendeiner Form und wird mit dem Kosmos eins. Auch wenn es für uns etwas fragwürdig und auch nicht vorstellbar ist, sehnt man sich im Buddhismus danach, einfach nicht mehr zu sein. Doch im Normalfall müssen die Menschen nach ihrem Tod immer wieder geboren werden, soweit ich das verstanden habe. Es ist der Kreislauf der Wiedergeburt, der eher als belastend gesehen wird und nicht als befreiend oder neue Chance. Denn auch wenn man denkt, dass es gut ist, wenn man nach dem Tod wieder leben kann, bedeutet es auch, dass man neue Sünden auf sich nimmt und wieder leiden muss. Ziel ist es im Buddhismus irgendwann diesen Kreislauf zu durchbrechen, was aus westlicher Sicht doch eher unglaublich ist. Ich selber sehne mich eigentlich nach der Vorstellung, dass nach dem Tod etwas noch kommt, damit ich selbst nicht mehr Angst vor dem Tod habe. So wird es bestimt vielen gehen. Das sollte jetzt nur ein kurzer Exkurs sein und vielleicht auch hervor heben, dass Death Parade sozusagen einerseits christliche aber auch buddhistische Jenseitsvorstellungen versucht zu vereinen, was ein guter Ansatz für mich ist, und sich sozusagen in  jeder Episode wiederholt. 

Einziger Knackpunkt ist für mich, dass es gerade, weil es immer die gleiche Prozedur ist, aber man eigentlich immer nur sieht, wie die Leute beurteilt werden aber nicht was danach mit ihnen passiert, doch repetetiv ist. Ich hätte mir gewünscht, dass man vielleicht etwas mehr in die Tiefe geht und es nicht nur bei pseudo-philosophischen Referenzen und Aussagen belassen hätte. Denn ehrlich auch wenn ich das Konzept in dem Anime liebe, ich  hätte gern noch etwas mehr erfahren, denn Death Parade hat nur einen kleinen Einblick verschafft, gegen Ende versucht etwas mehr in die Problematik des Beurteilungssystem einzugreifen, aber im Endeffekt konnte es die Materie nie ganz durchdringen, was bei 12 Episoden vielleicht nicht machbar gewesen wäre. 


Jedenfalls denke ich mir jedoch, dass Death Parade bei der Wiedergeburt aufgrund der weißen, freundlich aussehenden Maske diese eher als was Positives gesehen hat, was man sich auch erschließen konnte, wenn man sich die Episoden angesehen hatte. Und diejenigen, die sich eben falsch verhalten haben oder Sünden begangen haben, kommen eben ins Nichts, in die Hölle was durch die rote Oni-Maske kenntlich gemacht wurde. Insofern hat der Anime also dem Nichts und der Wiedergeburt eigene Wertungen zugesprochen, was einerseits die Denkarbeit erleichterte, andererseits doch wiederum neue Fragen aufwarf. Ist für jeden die Wiedergeburt positiv vor allem für diejenigen, die sich selbst das Leben genommen haben? 

Lustigerweise hatte eine Bloggerin auch mal darauf verwiesen, dass es eigentlich total sinnlos sei, die Menschen in das Nichts oder die Wiedergeburt zu bringen. Denn wie man bereits in der ganzen Geschichte erkennen könne, kommt niemand von Grund an als gut oder böse auf die Welt. Wir fangen alle bei dem Nichts sozusagen an und erst durch die Umstände und das Leben wird unser Selbst geformt. Wer sagt nicht, dass jemand der eigentlich fast nichts schlimmes gemacht hat, im nächsten Leben ein Mörder wird oder andersherum? Interessant fand ich hierbei, wie ich selbst darauf gekommen bin, dass das Individuum im Konflikt steht zwischen eigener Selbstentfaltung sowie Freiheit aber auch den Zwängen der Natur und Gesellschaft. 

Bis heute wird diskutiert, ob das Angeborene oder die Gesellschaft uns mehr beeinflussen. Und selbst wenn wir annehmen würden, wir wären frei, sind wir es nicht, immer werden wir durch unsere Natur, unsere Triebe, Bedürfnisse, die teilweise sehr unbewusst sein und eben durch gesellschaftliche Konventionen gesteuert. Das was wir als Freiheit im Handeln sehen, ist nur ein Bruchteil des Ganzen und muss immer mit Rationalität und Bewusstsein zusammen hängen. Nun will ich euch damit nicht langweilen, sondern auf den Punkt kommen. Im Grunde müsste man, wenn man das bedenkt, das ganze Grundkonzept von Death Parade hinterfragen. Denn wie gesagt jeder kommt als Nichts auf die Welt und es ergibt keinen Sinn, überhaupt jemanden zu bewerten, wenn er im nächsten Leben dann doch ganz anders handelt. Würde man dem Grundgedanken des Anime folgen und denken, dass nur die guten wieder geboren werden, müsste logischerweise die Welt befreit sein von bösen Menschen, die ja aufhören zu existieren und die Welt nur noch von lieben Menschen bevölkert sein. Das stimmt aber nicht, denn wie gesagt ist niemand von Geburt an gut oder böse, jeder Mensch besitzt beides in sich und erst durch seine Entwicklung tendiert er entweder in die eine oder andee Richtung, oder wird zu jemanden, der in der Grauzone steckt. 
Nun bleibt am Ende also die Frage, wenn man sich zu doll mit der Problematik befasst, ob es überhaupt sinnvoll ist, die Menschen zu beurteilen, aber das würde zu weit führen und soll nur als Denkanstoß dienen.


Auch das machte es schwierig, die Menschen im Anime zu beurteilen, denn viele waren niemals wirklich gut oder böse, jeder hatte Fehler begangen und das zeigte irgendwo auch die Kritik an dem System auf.  Um noch mal auf die wahre Natur des Menschen einzugehen, so zielte von Anfang an die ganze Spielerei nur darauf ab, dass die Menschen ihre Abgründe zeigen und es leichter machen würde, zu urteilen. An sich eine coole Sache, jedoch mit Haken. Denn es ist doch wohl logisch, dass Menschen in Grenzsituationen eben auch extrem werden und ganz andere Seiten zeigen. Und hier zeigt sich auch, wer nun egoistisch ist und wer sich für andere aufopfert. Doch mal ehrlich, würde nicht jeder von euch egoistisch handeln und nur an sein Wohl denken? Ist diese menschliche Natur immer zu hinterfragen oder ist sie nicht eher Teil von uns? Macht sie uns zu Monstern? Gut bei einigen Fällen wurde das ganze schnell abgehandelt, man hatte sehr schnell den Übeltäter und konnte urteilen. Bei anderen Fällen befand man sich eher in der Schwebe und konnte sich sehr schwer entscheiden. 

Das machte den Reiz der Episoden aus, dass weder abgrundtief böse Menschen oder engelhafte Wesen gezeigt wurden bis auf einige Fälle sodass man immer unendlich lang nachdenken und mit anderen diskutieren konnte, wer denn welches Schicksal bekommt. Und das gefiel mir so sehr, dass jede Figur ihre eigene Hintergrundgeschichte besaß und man gut nachvollziehen konnte wie die Person sich entwickelt hatte. Anfangs ging es sehr leicht die Leute in gut oder schlecht einzuteilen, doch desto mehr Erinnerungsfragmente zum Vorschein kam, desto schwerer wurde es zu urteilen. 

So u.a. in der ersten Episode, die wirklich mehrdeutig ausgelegt war. Man wusste gar nicht aufgrund der einzelnen Bilder ob die Person nun mit wem anders was hatte oder nicht. Und auch deren Verhalten war nicht zu deuten, man wusste nicht ob sie es so meinte, oder nur spielte. In der zweiten Episode wurde der Zuschauer aber an die Hand genommen und ihm wurde alles haarklein erklärt. Für einige sicherlich eine Erleichterung für andere eher ein Fehler, denn eigenständiges Denken sollte bei diesem Anime besonders wichtig sein. Ich persönlich würde sagen, dass es mir geholfen hat und eben Klarheit geschaffen hatte. Aber das war wirklich genial wie twistreich die einzelnen Persönlichkeiten waren. Nur durch einzelne Bilder, bei denen nicht mal gesprochen wurde, die soviel Ausdrucksgehalt hatten, dass man sie nicht erklären musste und sie für sich standen, konnte man die Facetten und das Leben der Person entnehmen. 



Auf die einzelnen Figuren möchte ich gar nicht weiter eingehen, nur will ich sagen, dass es toll war, wie uns der Anime doch recht individuelle Figuren mit ergreifenden Lebensgeschichten zeigten, dass man immer wieder nur berührt war und über sein Leben nachdenken musste. Es wurden wirklich wichtige Lebensprobleme gezeigt u.a. wurden Themen wie Schuld und Sühne, Konflikte mit sich selbst, der Verlust der Lebensfreude, Selbstmord, Mord, das fehlende Vertrauen zu anderen Menschen gezeigt, die einen erschütterten. Viele Episoden waren gefüllt voller Dramatik und Tragik wie auch Spannung, sodass ich mich immer wieder auf den Anime jede Woche gefreut hatte. 

Auch wenn der Anime selbst immer episodisch war, jede Folge ein neues Paar einführte, sich aber Zeit ließ und die Zeit gut nutzte, um uns abgeschlossene Geschichten zu präsentieren, wodurch einzelne Episoden echte Perlen waren. Ich kann mich besonders stark an die Doppelfolge erinnern mit den zwei Mördern und auch der Problematik, ob es gerechtfertigt ist, dass man über andere urteilt, und selbst dabei zum Monster wird, aber eigentlich Gerechtigkeit ausüben will. Wieder das Thema Selbstjustiz und Schuld. Das erinnerte mich stark an Death Note, wenn auch in komprimierte Form und ich muss echt sagen, dass es meine Lieblingsfolge war, weil sie einfach unter die Haut ging. Außerdem interessant aber auch fürchterlich fand ich die Ansicht, dass man doch Verbrecher tun lassen soll, damit man am Ende ein Verbrechen und Grund hat, denjenigen zu richtigen. Das war wirklich mehr als fragwürdig und schürte nur den Hass gegenüber der Person, die dies sagte. Das Tolle war an der Episode aber, dass beide Figuren zu Beginn nicht schlimm waren, zumal man ihre Lebensgeschichten erfuhr und auch nachvollziehen konnte, weswegen sie anderen Menschen das Leben genommen hatten. Moralisch war es nicht, aber wenn es um Rache geht, dann denkt der Mensch eben so. 

Doch im Lauf der zweiten Folge wurde es dann extremer als die wahre Natur des einen zum Vorschein kam und der andere auf eine harte Probe gestellt wurde. Ich kann einfach nicht erklären wie intensiv ich die beiden Folgen erlebt hatte, aber da hatte mir echt der Atem gestockt. Eine weitere schöne Problematik war die des Selbstmords vs. Lebenssehnsucht. Es war insofern spannend und konfliktreich, weil die Person, die sich selbst getötet hat, eigentlich gar nicht schlecht war, während die andere Person eindeutig gestört war, aber das wurde gemildert, da man einsah, dass die Umstände sie erst zu einem gebrochenen Individuum machten. Das war eine der Folgen, wo ich absolut nicht wusste, wer es verdient hätte wieder geboren zu werden. Es gab viele Diskussionen, dass Menschen, die ihr Leben freiwillig wegwerfen nicht die Chance haben sollten noch mal leben zu dürfen und diejenigen, die verzweifelt um ihr Leben kämpfen auch eine zweite Chance bekommen, egal welche schlimmen Taten sie zu verschulden hatten. Was meint ihr? Sollte Selbstmord schwerer zu gewichten sein als andere schlimme Taten wie versuchter Mord? Gar nicht so einfach, das zu beantworten. Und man wurde bei Death Parade öfter mal mit solchen schweren Entscheidungen konfrontiert. Aufgrund der genialen, glaubwürdigen, „grauen“, Figuren war es immer wieder schwer zu sehen, wer denn gut und wer  böse ist und in gewisserweise wurde hiermit auch die Problematik des Menschen als gemischtes Wesen verdeutlicht, was man in der Philosophie und Ethik auch immer wieder diskutiert.



Gleichermaßen wurde auch das Beurteilungssystem hinterfragt, denn darf man ausgehend von den individuellen Schicksalen überhaupt ein Urteil fällen? Wer sagt denn, dass überhaupt jemand wie Gott handeln und entscheiden dürfe, wer eine 2. Chance bekommt und wer nicht. Kennen wir überhaupt alle Facetten der Menschen, auch wenn wir in ihre Erinnerung schauen können? Und was ich mich ebenfalls fragte war, woran die Barkeeper ihre Urteile fällten? Wurde nur das Verhalten innerhalb der Bar, während der Spiele gewertet oder das gesamte Leben anhand der Erinnerungen? Das war für mich wirklich verwirrend. Und wenn beides gewertet wird, wie wird alles gewichtet?´50:50 oder anders?


Ein weiterer Punkt mit dem ich mich befassen will ist das Beurteilungssystem an sich und auch die übergeordnete Story, die beide zusammenhängen. Wie ich bereits gesagt habe, hat das Beurteilungssystem für mich doch einige Lücken. Zum einen, weil erstmal gar nicht weiter behandelt wird, was genau mit den Menschen passiert und dass es überhaupt fragwürdig ist, wie die Urteile gefällt werden. Aber am schlimmsten ist es doch, dass die Barkeeper sich im Verlauf gar nicht als Menschen zu erkennen geben, sie sind einfach Puppen, ohne Gefühle, die niemals sterben und auch nicht wirklich leben und ausgerechnet Menschen beurteilen sollen? Ist das nicht allein schon ein riesiger Widerspruch an sich selbst? Dann ist es doch verständlich, wenn sie keine guten Urteile fällen können bzw. sie haben einfach nicht das Wissen und die Erfahrung das zutun. Denn wenn sie Menschen nicht verstehen können, wie können sie ein ordentliches Urteil fällen. 

Andererseits musste ich dann auch an Entscheidungen, die wir selbst im Leben fällen denken. Hier unterscheidet man zwischen objektiven und subjektiven Entscheidungen und es dürfte klar sein, dass wir doch meist nach eigenen Belangen entscheiden und selten mal aus verschiedenen Perspektiven, was aber wichtig sein sollte. Die Barkeeper wiederum haben also eine gewisse Distanz und da sie nicht mit den Menschen fühlen, können sie nicht so leicht Spielball ihrer Gefühlsausbrüche werden und sich weniger beeinflussen lassen. Aus der Sichtweise dürfte es nachvollziehbarer sein, dass sie über Menschen urteilen. Ohne Sympathie oder Antipathie für jemanden zu empfinden ist es einfacher und gerechter Urteile zu fällen oder? Jedoch wird das in der Serie bemängelt gleichfalls die Spiele, die die dunkle Natur des Menschen aufdecken soll. Auch das hatte ich bereits kritisiert und nun versucht also Decim mithilfe von Miyuki neue Möglichkeiten zu finden, um bessere Urteile zu fällen und Miyuki selbst, die einzige menschliche Assistentin, die anfangs weiß dass sie gestorben ist, darf also mithelfen. 


Der Anime besteht nicht nur aus coolen Einzelepisoden, sondern hat auch einen roten Faden, der mit dem Fall Miyuki und dem Beurteilungssystem zusammenhängt. Aber ehrlich gesagt war ich doch etwas enttäuscht, wie das gehandhabt wurde. Es gab zwischen den spannenden Einzelfällen mit den Pärchen immer wieder ruhigere Episoden, wo es etwas Erklärungsmaterial gab, aber ich muss sagen, dass es kaum die Story voran gebracht hatte und vieles einfach wiederholt wurde. Wie oft wurde erwähnt, dass Miyuki weiß, dass sie gestorben ist und einfach Bilder von ihr gezeigt, aber keine Erklärung ihres vorherigen Lebens kam? Das war schon etwas schwach und ich hatte gehofft, dass es etwas mehr voran ging. Klar war es eine gute Abwechslung, neben den spannenden Episoden auch entspannende zu haben, aber die waren dann doch eher etwas langweilig und wenig aussagekräftig. Einzig die letzten Episoden, wo man dem Höhepunkt entgegen steuerte, waren interessant und auch wahnsinnig herzergreifend. Es wurde alles auf den Kopf gestellt, weil es zunehmend Charakterentwicklung seitens Decim gab, der ausgerechnet einer der wenigen ist, der Gefühle besitzt, was extrem widersprüchlich erscheint, da er sonst immer extrem emotionslos auftritt, aber gut. 

Jedenfalls erfährt man nun mehr über Miyuki und die Geschichte um sie herum und um ihren Tod war interessant, aber konnte mich nicht gänzlich extrem umhauen. Eher solide würde ich sagen, wenn auch emotional sehr ansprechend. Ich fand es cool, wie Miyuki und Decim gleichzeitig Veränderungen durchmachten, Decim, dessen Gefühle sich verstärken und der seine alten Bewertungsmethoden über den Haufen wirft und Miyuki, die von Anfang an engagiert war, aber ihm vor Augen vorführt, dass Menschen nicht einfach so bewertet werden können, obwohl am Ende heraus kommt, dass sie erkannte, dass Menschen sich niemals verstehen könnten. Doch durch Decim und die ganzen anderen Menschen, die sie kennen gelernt hat, hat sie doch irgendwo Empathie entwickelt und ihr eigenes Problem in den Griff bekommen. Ich fand das Ende an sich zwar irgendwie schon ganz gut, besonders weil mich die letzte Episode echt von allen am meisten berührt hatte und ich einfach mitleiden musste. Aber inhaltlich gesehen dachte ich mir am Ende, dass nicht viel sich geändert hatte. Halten wir fest: Decim scheint eine innere Entwicklung gemacht zu haben, aber es wird nicht gezeigt, ob das für das System an sich Änderungen bringen wird. Eigentlich hört die Episode so auf, wie eine Episode beginnt nur mit dem Unterschied, dass Decim Gefühle zeigt. Man könnte erahnen, dass sich in Zukunft etwas ändern wird, aber ich fand es enttäuschend, dass es da wo es anfangen sollte, aufhörte. Man fühlte sich leicht verarscht, weil das Ende eher wie ein Auftakt für etwas Größere anfühlte. Es ist zweifelhaft ob Death Parade eine zweite Staffel bekommen wird, aber ich würde es mir echt sehr wünschen, denn es gibt noch viel Potenzial, was noch nicht ausgeschöpft wurde. 
Weiterer kleiner Kritikpunkt waren nur wenige Episoden, die mir wirklich  inhaltlich gefielen und sich eher wie Fillerfolgen anfühlen, das waren dann aber nur 2-3 Folgen, die dann eher zur Entspannung dienten. 


Optik und Musik:

Also optisch kann ich sagen, dass Death Parade wirklich ein Hingucker ist und sowohl Zeichenstil als auch Animationen vom feinsten sind. Ich liebe das etwas düstere und geheimnsivolle Setting, die wunderschön ausgearbeiteten Figuren und vor allem Mimik und Gestik sind so fein und ausdrucksstark, dass die Emotionen nur noch verstärkt werden beim Schauen. Musikalisch hat Death Parade allein schon mit seinem ausgefallenen Opening und dem wirklich traurigsten Ending überhaupt eine Menge zu bieten. Aber auch die Hintergrundmusik war immer präsent, wenn auch meist eher unscheinbar, aber so wahnsinnig stimmungsvoll, dass man sich in ihr verlieren konnte. Sie hatte perfekt gepasst und die jeweiligen traurigen und spannungsreichen Szenen gut betont. Auch die Synhronsprecher haben wieder gute Leistung gezeigt. 



Fazit: 
Death Parade scheint zumindest in Ansätzen vieles richtig zu machen und die Einzelepisoden wissen zu beeindrucken und zu berühren, sowie die Optik als auch Musik sind grandios. Der Anime ist aufgrund seiner besonderen Themen, den  facettenreichen Figuren, deren Lebensgeschichten und dem Setting wie Plot meiner Ansicht genial und regt auch sehr zum Mitdenken an. Jedoch fand ich es enttäuschend, wie die übergeordnete Story entwickelt und zum Abschluss gebracht wurde und auch die Tatsache, dass doch viele gute Ansätze nicht weiter geführt wurden. Dennoch wird Death Parade mir als einzigartiger Anime, der mich so emotional aufgewühlt hat wie kein anderer Anime, im Gedächtnis bleiben.

Kommentare:

  1. Tja, hab ich jetzt mir auch mal angesehen, nachdem ich diesen Artikel hier (zugegebenermaßen nicht ganz zu Ende :P) gelesen habe. Ich denke dieser Anime hat im Endeffekt eine wirkliche Stärke, und die "Story" ist nur ein drumrum dazu. Die Stärke besteht ganz einfach darin, verschiedene Philosophien vorzustellen, sie dem Publikum nahe zu bringen und durch Interaktionen zwischen den Charakteren aufeinandertreffen zu lassen. Besonders gut ist das bei der Folge mit den Mördern gelungen. Ich würde es insofern auch gar nicht mal wirklich als "schlimm" oder "schlecht" bewerten, dass die Richter im Endeffekt willkürliche Urteile abgeben, da andere Methoden nur dazu führen, dass die Richter sich immer fragen müssen, ob das von ihnen getroffene Urteil "richtig" war, und - wie dieser alte Opa das gesagt hat - man nicht unbedingt darin einen Sinn sehen kann. Im Endeffekt denke ich aber, dass in Decims Entscheidung, diese Bürde trotzdem auf sich zu nehmen, einen tieferen Sinn hat bzw. eine Nachricht an das Publikum übermitteln soll, eben dass man immer - auch wenn es schwierig ist - seine eigenen Entscheidungen treffen muss, weil eben dies das Leben ausmacht bzw. ausmachen sollte.

    Puh, Guter Anime. Energiegeladen!

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    1. Tatsächlich? Ich fühle mich irgendwie geehrt, dass ich dich erneut dazu bewegen konnte, etwas anzuschauen. ;)
      Naja meine Texte sind eben ziemlich lang und enthalten teilweise echte Spoiler, da kann man es dir nicht verübeln, wenn du ihn nicht bis zum Schluss gelesen hast. Aber es reicht mir schon, wenn du dadurch zu etwas bewegt worden bist.

      Ich kann deinen Darstellungen nur zustimmen! Du bringst es gut auf den Punkt. Ich kann es nachvollziehen, weswegen du für die willkürlichen Urteile plädierst. Jedoch erkenne ich darin aber eben auch den Schwachpunkt und die Sinnlosigkeit dieser Urteile. Sollten diese nicht nach Gerechtigkeit streben? Welchen Sinn haben dann diese Urteile?

      Aber schön, dass du diese wichtige Botschaft so betonst, so habe ich es noch gar nicht wirklich betrachtet. Entscheidungen gehören zum Leben dazu. Es gibt keine falschen Entscheidungen an sich, was ich irgendwo mal nachgelesen habe. Jede Entscheidung ist in dem Sinne gut, da man handelt. Das ist immer noch besser, als nichts zu tun und dadurch zu bereuen. Darauf näher einzugehen, würde zu weit führen.

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