Freitag, 30. September 2016

Gezockt: Brothers: Tales of two sons


Die Geschichte handelt von den zwei Brüdern Naiee und Naia, die alleine mit ihrem Vater in einem kleinen, aber feinen Dorf leben. Zu Beginn erfahren wir, dass der jüngere Bruder Naiee eine Art Trauma vor Wasser entwickelt hat, seitdem seine Mutter vor vielen Jahren ertrunken ist und er nicht in der Lage war, ihr helfen zu können. Sein älterer Bruder Naia braucht seine Hilfe, da ihr Vater krank ist und zum Dorfarzt gebracht werden muss. Dieser erklärt ihnen, dass es nur einen Weg gibt, ihm Heilung zu verschaffen: sie müssen Wasser des Lebensbaums sammeln. Doch das ist kein einfaches Unterfangen, wie sich im Laufe der Geschichte heraus stellt. Die beiden ungleichen Brüder begeben sich auf eine abenteuerliche Reise, die uns direkt an Märchen erinnern, nicht weniger spektakulär und fabelhaft. So treffen sie auf ihrer Reise verschiedene fantastische Wesen, wie Trollen, Riesen, einem unsichtbaren Drachen und weiteren Fabelwesen. Sie müssen viele Aufgaben und Schwierigkeiten bewältigen, setzen nicht nur einmal ihr Leben aufs Spiel und entkommen nur knapp ernsten Konsequenzen.








Story

Sicherlich ist die Idee hinter der Geschichte nichts Neues, aber die Art der Ausführung ist meiner Ansicht nach sehr gelungen. Das beginnt schon mit dem Anfang, der uns deutlich macht, dass es keiner Sprache bedarf um eine Geschichte fesselnd zu erzählen. Das soll nicht bedeuten, dass überhaupt niemand redet, aber wir verstehen die Figuren in diesem Spiel nicht, da sie eine eigene, uns fremde Sprache verwenden, die nicht übersetzt wird. Dadurch entsteht vielleicht erst einmal ein fremdartiger Eindruck, doch mit der Zeit gewöhnt man sich daran, erkennt vielleicht auch Ähnlichkeiten zu anderen bekannten Sprachen. Das Schöne daran ist, dass man nicht mal unbedingt etwas verstehen muss. Die Bilder und Sequenzen tragen nämlich die Handlung, es braucht keine Worte, um die Tragik der beiden Brüder nachvollziehen zu können. Insofern funktioniert die Geschichte also gut ohne Sprache und ist auch universell, damit meine ich, dass man die Geschichte in allen Kulturen und Ländern auch ohne Sprachausgabe verstehen kann.



Ebenfalls sehr schön an der Geschichte fand ich die Annäherung an die typischen Volksmärchen, die weltweit sehr bekannt sind. Es ist nicht so, dass die Geschichte direkt Märchen zitiert oder sich an diese anlehnt, aber die Prinzipien von Märchen spiegeln sich wider, was ich als großer Märchenfan natürlich toll finde. So ist es ja in vielen Märchen so, dass ein einzelner, gewöhnlicher Junge oder ein Mädchen das Zuhause verlässt, weil er eine Quest verfolgt. Meist ist es ein Notstand, der dazu führt, dass die Helden auf Reisen gehen müssen, wie auch in diesem Spiel. Wie auch die beiden Brüder erleben die Märchenhelden verschiedene kleinere Abenteuer, die sie herausfordern, bis sie irgendwann ihr Ziel erreichen. Und hier geht die Geschichte der beiden Brüder andere Wege. Während typische Märchen immer positiv enden, meist noch mit Belohnung der Hauptfiguren, nimmt diese Geschichte realistischere Züge an. Es ist kein typisches Happy-End gewesen, zwar durchaus ein positives, was jedoch durch einen nicht so schönen Umstand etwas überschattet wurde. Darüber hinaus ist mir aufgefallen, dass es auch kein striktes Schwarz-Weiß-Weltbild gibt, wie in den Märchen, die Grenze eher verwischt wird.



Weiterhin wird im Gegensatz zu Märchen mehr Wert auf die innere Entwicklung der Figuren gelegt, was besonders am jüngeren Bruder Naiee erkennt und was ich wirklich als gelungen bezeichnen möchte. Dieser ist ja anfangs total ängstlich und schwach, besonders, seine Angst vor dem Wasser tritt häufig auf und macht ihn im Wasser handlungsunfähig. Er ist sehr oft auf seinen älteren Bruder angewiesen, an dem er sich festhält. Grundsätzlich ist Naia derjenige, der kräftiger ist und auch Naiee unterstützt. Ohne ihn würde in dem Spiel vieles nicht funktionieren. Doch irgendwann ist Naiee allein auf sich gestellt. Das war eine der spannendesten Stellen überhaupt in dem Spiel gewesen. Ich habe echt mitgefiebert und mich gefragt, ob er es wirklich schafft. Doch er ist während der beschwerlichen Reise innerlich wirklich gewachsen und stellt sich seiner Angst, obwohl er mit harten Verlusten zu kämpfen hatte.


Ähnlich wie auch Märchen (wundert euch nicht, wenn ich das Spiel immer wieder mit diesen vergleiche) ist auch Story der beiden Brüder alles andere als leichte Kost. Lasst euch nicht von dem kindlich wirkenden Setting täuschen, Gewalt, Tod und Verderben finden wir hier ebenfalls. Insofern ist die Geschichte sicherlich nicht nur etwas für Jüngere, sondern für alle Altersgruppen. Das Setting und die Atmosphäre sind an vielen Stellen nicht mehr nur heiter fröhlich und positiv gestaltet, sondern nimmt recht düstere Züge an. So finden wir Opfer eines Krieges auf dem Schlachtfeld, müssen die Leichen teilweise auch zum Weiterkommen verstümmeln, Blut und Tod sind allgegenwärtig. Außerdem erlebt man hautnah eine beinahe Menschenopferung. Ganz sicherlich nichts für zarte Gemüter, wenn auch die Grausamkeit und Gewalt sich doch in Grenzen hält.


Allgemein möchte ich noch zur Reise hinzufügen, dass man auch viele Nebenschauplätze besucht, die ihre eigene Geschichte inne haben. Man ist erstaunt über das was man sieht, öfter mal hielt ich auch inne, wurde traurig und nachdenklich, über das, was ich gesehen und erlebt habe. Man kommt immer wieder mit anderen Figuren und fantastischen Wesen in Berührung, taucht immer mehr in diese fantastische Welt ein, die mich nicht so leicht losgelassen hatte. Viele Subplots entfalten sich an mehreren Stellen, manche offensichtlich, manche eher im Hintergrund. Es sind vor allem die Bilder, die die Nebengeschichten erzählen, uns erahnen lassen, was passiert ist. Ein Mann, der sich gerade an einem Baum erhängen will, eine Stadt, in der die Menschen zu Schneeskulpturen erstarrt sind, ein wundersamer Vogel, der gefangen gehalten wird, ein Riese, der tief und fest schläft und schnarcht. Die Geschichten werden nur angedeutet, aber die eigene Vorstellung wird eben doch unbewusst angeregt und man spinnt sich selbst die Stories zusammen, was Spaß macht. Außerdem gab es immer wieder Twists in der Story, wodurch man eigentlich nie so genau erahnen konnte, was als nächstes passieren würde. Das sorgte für ordentlich Spannung und natürlich auch Abwechslung.


Das Spiel mag zwar kurz sein, aber es berührt so viele fundamentale Themen im Leben und lässt einen nachdenklich werden. Es geht um Freundschaft, Zusammenhalt, Familie. Es geht darum, Schwierigkeiten und Krisen zu überwältigen. Sich nicht unterkriegen zu lassen und zu kämpfen. Tod und Krankheit zu trotzen und damit umgehen zu können. Die Geschichte endet mit einer hoffnungsvollen Botschaft über Mut und Selbstvertrauen und die mich mit Berührung in die „normale“ Welt zurück gelassen hat.


Gameplay



Zur Spielemechanik lässt sich schon mal sagen, dass sie alles andere als gewöhnlich ist. Denn ihr steuert nicht einfach nur eine Figur, sondern die zwei Brüder und das sogar gleichzeitig. Das erfordert erst einmal ein bisschen Eingewöhnung, bis man irgendwann darin genug Routine entwickelt hat. Auch gut fand ich, wie die Aktionen zwischen den beiden Brüdern gestaltet wird. Ihr müsst wirklich mit beiden spielen, sonst kommt ihr nicht weiter. So werden ihre physischen Eigenschaften ebenfalls ins Spiel eingebaut. Der ältere Bruder ist eben stärker und derjenige, der den jüngeren hochzieht, während Naiee der schlankere und flinkere ist und sich daher zwischen Gitterstäbe zwängen oder den Lockvogel spielen muss. An vielen Stellen muss man beide Figuren gleichzeitig steuern um Rätsel zu lösen, was ebenfalls etwas mehr Koordination und Anspruch verlangt.


Das wäre aber auch schon die einzige wirklich große Herausforderung in dem Spiel. Ansonsten ist es nämlich relativ leicht zu handhaben. Vorwiegend bewegt ihr euch also mit den beiden durch diese geheimnisvolle, märchenhafte Welt, ihr erkundet sie ein wenig. Schade, dass diese leider nicht so offen ist, wie ich es gerne gehabt hätte. Euch werden deutlich Grenzen gesetzt, die gewährleisten, dass man auch ja seiner Mission folgt. Wie in einem Adventure üblich bestehen eure Hauptaktionen im Laufen, Klettern und Springen. Ihr müsst relativ viel mit der Spielewelt agieren, mit den Figuren reden, das dürfte nichts Neues sein. Neben der Wiederholungen werden aber auch immer kleine neuere Features eingebaut, sodass das Spielen nie wirklich eintönig wird. Ich fand die Kletteraktionen immer am besten, weil sie am meisten Geschick brauchten und immer viel Nervenkitzel auslösten.



Neben diesen Elementen fand ich herrlich erfrischend, dass man die Umwelt ebenso gestalten musste, um weiterzukommen. Ich erinnere mich lebhaft an den Kriegsschauplatz mit den Riesen, wo man eigentlich die Leichen schändete, um voran zu kommen. Das hatte schon etwas Makaberes. Außerdem fand ich das Paragliding unterhaltsam, wenn auch teilweise etwas frustrierend. Schön war, dass man auch strategisch vorgehen musste, um beispielsweise einen Troll einzufangen und in die Falle zu locken. Natürlich dürfen auch die Rätsel nicht fehlen, die mich tatsächlich ebenso forderten. Sie sind aber immer machbar gewesen.


Optik und Musik



Optisch hat mich das Spiel sehr gefesselt. Ich hatte schon betont, dass ich diese märchenhaften Landschaften richtig schön gefunden habe und mich daran gar nicht hätte satt sehen können. Wälder wechselten sich mit Ebenen und Bergen ab und man merkte, dass sich die Macher Mühe mit den Details gemacht hatten. Besonders schön fand ich beispielsweise auch die Eislandschaft oder das Reich, was im Schnee versunken ist. Die Polarlichter waren für mich das Highlight in dem Spiel, genauso wie die Gestaltung des Lebensbaums. Wäre das Setting nicht so unglaublich stimmig und schön gewesen, wäre ich bestimmt nicht so sehr in dieser Fantasiewelt versunken gewesen. Das Figurendesign fand ich ebenso schön gemacht, wenn auch Mimik und Gestik vielleicht nicht immer so überzeugend gut aussahen. Musikalisch ist mir nicht unbedingt etwas besonders positiv oder negativ aufgefallen, höchstens die Sprecher, die eine fiktive Sprache verwendeten, was erst einmal sehr ulkig gewesen war. Das führte aber dazu, dass man sich noch mehr von der Wirklichkeit entfernen und sich dieser unbekannten Welt hingeben konnte.


Fazit:
Das Spiel hat mich wirklich von Anfang an gefesselt, was besonders an der märchenhaften Kulisse und der besonderen Spielemechanik gelegen hatte. Es mag nicht für jedermann etwas sein, man braucht etwas Zeit um sich darin einzuarbeiten. Doch wenn man es geschafft hat, will man das Spiel nicht mehr beenden. Einziger Kritikpunkt wäre, dass die Geschichte leider viel zu schnell vorbei geht. Dennoch bleibt mir diese kleine abenteuerliche Reise bestimmt in Erinnerung, zumal sie wirklich Tiefgang besitzt und zum Nachdenken anregt.











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