Sonntag, 22. Februar 2015

Religion in Japan 1: Ein kleiner Einblick in die Religionen Japans

Da ich mich momentan mit japanischen Märchen befasse, die teils recht religiös angehaucht sind, hat sich mein Interesse an Religion in Japan verstärkt. Daher möchte ich heute einen kleinen Einblick in die drei religiösen Systeme Japans geben. 

Die japanische Geistes- und Religionsgeschichte wird durch die relative religiöse Toleranz gekennzeichet und traditionell ein Verhältnis der Religionen zueinander prägt. Es gab in der Geschichte selten Phasen, in denen Religionen nicht geduldet wurden, etwa im Mittelalter von Seiten bestimmter buddhistischer Sekten (Nichiren), oder in der Moderne mit dem dogmatischen Staats-Shintô. Im Allgemeinen konnten die drei Systeme meist nebeneinander und auch miteinander existieren, die allesamt die Idee des konfessionellen Fanatismus, wie aus Europa bekannt, eher vermieden. Eher etablierte sich die Idee des Synkretimus das grundlegende religiöse Konzept Japans.

Die Gottheiten des Shintô wurden mit Buddhas und Bodhisattvas des Buddhismus gleichgesetzt. Die gesellschaftliche Hierarchie, Harmonie und damit das zwischenmenschliche Werteystem wurden durch die ethischen Maximen des Konfuzianismus kontrolliert. Auch das heutige Japan ist noch immer von dem synkretistischem Denken gekennzeichnet. Dies offenbart sich in der unsystematischen Volksreligion mit ihren unübersichtlichen lokalen, regionalen und landesweiten Festen im Jahresablauf, oder auch bestimmten religiösen Vorstellungen um einzelne Heilige und Dämonen, die an „Aberglauben“ erinnern. Diese sind jedoch nur die Resultate des jahrhundertealten Synkretimus.

Auch die vielen neuen Religionen basieren auf der traditionellen Spiritualität und erschaffen neue religiöse Systeme, in denen Buddha und die Sonnengöttin Amateraus ebenso ihren Stellenwert haben wie Konfuzius und
Jesus.

Nur der Christentum hat sich in der japanischen Gesellschaft und Kultur nicht als einer der dominierenden Faktoren durchsetzen können. Bereits im 17. Jahrhundert wurde als Abwehr der christlichen Mission durch europäische Mächte das Christentum unterdrückt und sogar ein Verbot erlassen. Ebenso wurde den Christen bis 1945 ein Misstrauen entgegen gebracht. Im Nachkriegsjapan konnte sich zwar der Christentum langsam entfalten, aber noch immer spielt er keine fundamentale Rolle im gesellschaftlichen Leben Japans.


Das Verhältnis zwischen den drei großen Systemen der Religion lässt sich am besten anhand eines Diagramms verdeutlichen. Hier zeigt sich, dass jeder Teilbereiche bestimmte Funktionen innerhalb des Wertesystems der japanischen Kultur inne hat.
Der Shintô fasst die Bereiche der Religion und des Staates zusammen vor allem die Institution des Tennô. Der Buddhismus schafft eine Verbindung zwischen Religion und Ethik, indem Glaubensbuddhismus und Zen die beiden Polen markieren. Der Konfuzianismus schließt den Kreis durch die Vereinigung von Ethik und Staat.




Shintô

Im Shintô wird eine große Anzahl an Gottheiten verehrt, was man als Polytheismus bezeichnet, wobei den gemeinschaftlichen Festen (matsuri) im Kultu die große Bedeutung zugeordnet wird. Die Kultstätte ist der „Schrein“ (jinja bzw. yashiro), das „Haus“ der Gottheit, nie aber der Tempel, der zu den buddhistischen Kultstätten zählt. Den Eingang eines jeden Schreins markiert - meist aus Holz - ein Tor (torii), das den sakralen von dem profanen
Raum abgrenzt. Den Kern der ethischen Vorstellungen des Shintô finden wir im Gedanken der Reinheit, der alle Lebensbereiche durchquert. Krankheit und Tod sind unrein und unterliegen daher auch weitreichenden Meidungsvorschriften. Diese Bereiche sind daher auch nicht Gegenstand des shintôistischen Spekulation und werden oft vom Buddhismus eingenommen. Die archaische Mythologie des Shintô dient, vornehmlich der Legitimation des Kaiserhauses, das sich in direkter Linie auf die im wichtigsten Heiligum des Landes, dem Ise-Schrein (Ise-jingû), verehrte Sonnengöttin Amaterasu zurückführt. Aus diesem Denken heraus entstand auch die Idee von Japan als einem „Götterland“, die besonders den Ultra-Nationalismus der dreißiger- und vierziger-Jahre beflügelte.


Synkretimus: die „Vereinigung“ religiöser Systeme

Die Vorstellung des dogmatischen Staats-Shintô der Zeit vor 1945 steht in totalem Kontrast zu dem eigentlichen, historisch überlieferten Charakter des Shintô, der sich seit den Tagen des Altertums mit anderen geistigen Hauptsträmungen Japans zu immer neuen synkretistischen Verbindungen verbindet. Ab der Edo-Zeit als ab 1600 prägt der shintô-konfuzianische Synkretmis das geistige Leben. Doch blieb die buddhistische Deutung der einheimischen Götter bis zur Moderne erhalten. Erst die Meiji-Restauration beende die traditionelle religiöse Toleranz, die seit jeder das spirituelle Leben Japans kennzeichnete. Nach dem Zweiten Weltkrieg jedoch wurden wieder Ansätze des Synkretimus und der Toleranz aber auf Ebene des Volksglauben und Neuer Religionen nachgewiesen.

Buddhismus

Noch mehr als auf den Shintô trifft keine einheitliche Lehre auf den Buddhismus zu. Diese dient als differenzierte und komplexe Weltreligion und gelang bereits im 6. Jahrhundert nach Japan. Der König eines koreanischen Königreiches vermittelte dem Herrscher des japanischen Yamato.Staates eine Buddha-Statue als Geschenk und deutete auf die große Stellung der buddhistischen lehre in der Welt hin. Im Gegensatz also zur einheimischen Religion stellte der Buddhismus das Ansehen wie auch die Macht der Welt abseits Japans dar. Nach einigen Machtkämpfen wurde der Buddhismus auch als Staatsreligion verinnerlicht, wurde aber der Shintô nach wie vor beibehalten. Im Volksglauben wurde die synkretische Verknüpfung von shintôistischen Göttern (kami) und buddhistischen Heiligen (Bodhisattvas und Buddhas) bis heute behalten.

Die Spuren des Buddhismus lassen sich in Japan gut nachweisen wie etwa in der Esoterik und dem Nembutsu (Glaubensbuddhismus), die das religiöse Leben noch immer prägen. Heute findet man die buddhistischen Heiligtümer in den Tempeln, die jedoch eher eine formale Rolle spielen, da sie für Beisetzungsfeierlichkeiten verwendet werden. Eheschließungen werden nach Shintô-Ritus durchgeführt.

Nach wie vor hat sich die Idee erhalten, dass die nachtodlische Existenz mit den „Letzten Fragen“ zum Buddhismus gehört, während das diesseitige Leben des Menschen von den Gottheiten des Shintô beeinflusst wird. Die allgemeine Ehtik entsprang aus dem Konfuzianismus.

Einige wichtige buddhistische Lehrrichtungen Japans

Tendai-Buddhismus:
Kern seiner Lehre ist das Lotos-Sutra, was besagt, das jeder Mensch erlöst werdne könne, in jedem Menschen liege die Buddha-Natur. Der Tendai-Synkretimus betrachtet die Shintô-Gottheiten als Erscheinungsformen von bestimmten Buddha, die als gongen („Zeitweilige Erscheinung“) bezeichnet werden. Die Buddha-Wesen haben sich in Form der Shintô-Gottheiten etabliert.

Shingon-Buddhismus:
Die Lehre ist eine esoterische Geheimlehre, in deren Zentrum die beiden Tugendkräfte des Buddha Vairocana (jap. Dainichi) stehen. Der Synkretimus des Shingon-Buddhismus) erkennt in der Sonnengöttin Amaterasu eine
Erscheinungsform dieses Buddha.

Glaubensbuddhismus:
Zentral ist der Glaube an das „Große westliche Paradies“, der Himmel des Amida-Buddha, des göttlichen Buddha der reinen Gnade. Er erlöst die Gläubigen. Für die durchschnittlichen Menschen reicht der Glaube an Amida aus, sie müssen nicht mehr die schwierigen religiösen Praktiken der anderen Schulen ausüben. Somit hat er sich zur „Gnadenreligion“ verändert. Erlösung ist nicht durch eigene Kraft (jiriki) möglich, sondern durch die Kraft Buddhas (tariki). Jede Handlung und jedes Gebet bringen nichts, nur der Glaube hat Macht. Der Glaubensbuddhismus ist im heutigen Japan die populärste buddhistische Schulrichtung.

Konfuzianismus

Die konfuzianische Gemeinschaftsethik wird als Kontrast zur „individualistischen“ Gesellschaftsvorstellung des Westens interpretiert. Doch Japan ist hier besonders, da es sich Mitte des 19. Jahrhunderts dem Westen geöffnet hat und seine Strukturen auch weiter entwickelt hat. Demzufolge kann die Diskussion um "ostasiatische Werte" nicht einfach auf Japan übertragen werden. Zwar wirkte der Konfuzianismus auf die japanische Geschichte, jedoch ist er im modernen Japan nur noch im Hintergrund zu finden. Dennoch ist das konfuzianische Wertesystem in Japan noch immer bedeutsam.

Die „Fünf Beziehungen“

Diese müssen genannt werden, da man mit diesen das hierarchische System der japanischen Gesellschaft besser nachvollziehen kann
Die Lehre von den „Fünf Beziehungen“ (go-rin, chin. wu-lun) in der Gesellschaft sind das ethische Fundament für das menschliche Miteinander im spätfeudalistischen Japan der Edo-Zeit
1. Fürst - Vasall/Beamter 2. Vater - Sohn; 3. Älterer Bruder - Jüngerer Brüder 4. Ehemann - Ehefra; 5. Freund - Freund.

In Japan wurden besonders die ersten beiden Beziehungen sehr geachtet; die von Loyalität geprägte Beziehung von Vasall und Herren, sowie die Kindesliebe (jap. kô) zwischen Vater und Sohn oder generell Eltern und deren Kindern. Als spezifisch japanische also synkretistische Deutung der Lehre offenbart sich der Gedanke einer ursprünglichen Einheit dieser beiden Beziehungen unter dem Stichwort „Einheit von Loyalität und Kindesliebe“ (chûkô-itchi). Daraus folgte im modernen Japan nach der Meiji-Restauration von 1968 die allgemeine Forderung, die mit der „Kindesliebe“ identifizierte „Loyalität“, nun dem einzigen legitimen Herrscher Japans, dem Tenno, zu erweisen.
Beides sollte auch auf die Konzeption des Staates als Familie verwendet werden, da die Loyalität gegenüber dem wahren Herrscher nichts anderes als die Liebe des Kindes zum Vater ist.
Zusammen mit der Götterland-Ideologie des Shintô wurde daraus ein „familistisches“ Konzept des japanischen Nationalwesens, was bedeutet, dass die japanische Nation eine reale Familie von göttlicher Herkunft mit dem Kaiser als Oberhaupt ist.

Im japanischen bushidô, der Ethik der Samurai, sind Shintô, Zen-Buddhismus und die konfuzianische Ethik eine unabhängige Beziehung eingegangen, die die Leitlinien des japanischen Synkretimus am offensichtlichsten machen. Die heutigen gesellschaftlichen Tugenden und Normen Japan (Ordnung, Fleiß, Hierarchie und "Harmonie") resultieren aus diesem Denken, das von der Meiji-Regierung auf das Volk übertragen wurde.


Ich hoffe, ich konnte euch einen knappen Überblick über die drei religiösen Systeme Japans geben und auch auf das Zwischenverhältnis und die Religionsgeschichte eingehen. Dies soll im übrigen eine Artikel-Reihe werden und ich beabsichtige in Zukunft mich mit dem Shintôismus und der Mythologie Japans zu beschäftigen. Bleibt gespannt!

Kommentare:

  1. Tut mir leid, ich fand diesen Bericht nicht schön, und auch sehr trocken: Bei weitem zuviele Fachbegriffe wurden mir armen Kerl hier um die Ohren geworfen, was Synkretimus jetzt nun genau IST wurde so nirgends klar gesagt, nur das Japan das nutzt und wie sich Synkretismus zusammensetzt. Es las sich auch alles eher uninteressant und einfach nicht packend, moderne vergleiche und bezüge hätten mir geholfen, wieviele Schreibne gibt es denn in japan? Geht jeder Japaner Anime-Klischeehaft jedne Tag zum Tempel und betet um liebesglück?

    Auch die einschübe das das Christentum in japan keinen echten Fuß fasste und was die Nationalsozialisten so alles dafür mißbrauchten war noch interessant, ging aber im gesamtbild unter.

    Ich hoffe der nächste Beitrag dazu wird mir eingängiger und ich fühle mich nicht wie in einer Ethik-Vorlesung :(

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    1. Vielen dank für deine konstruktive Kritik. Ich kann deine Kritik durchaus nachvollziehen und werde mich bemühen zukünftig alles etwas leserfreundlich zu gestalten. Da merkt man mal, dass in mir öfter mal meine "wissenschaftliche" Ader zum Einsatz kommt dank des Studiums..^^
      Danke für deine Anregungen, die ich für weitere Beiträge dieser Art im Kopf behalten werde,
      Aber ich muss gestehen, dass ich doch eher versucht habe, alles etwas sachlicher anzugehen, vielleicht habe ich damit ein wenig übertrieben. Tut mir leid.

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