Sonntag, 24. August 2014

Anime – reine Unterhaltung oder Kunstwerke?


Heute möchte ich mich mit der Frage beschäftigen, ob Anime nur darauf ausgelegt sind ihre Zielgruppe zu unterhalten, wodurch die künstlerische Qualität vermindert wird oder ob Anime gerade durch die Vermischung von verschiedenen Medien zu einer besonderen Form von Kunst zählen.


Zunächst einmal tendiere ich zu der Annahme, dass man keine von diesen extremen Vorstellungen vertreten sollte und auch nicht auf Animes verallgemeinert übertragen sollte. Mir ist bewusst, dass es durchaus stimmt, dass Anime großen Unterhaltungswert haben und um dieses Ziel zu erreichen, werden Anime auf bestimmte Art und Weisen konzipiert (wohlbekannte Klischees, typische Charaktertypen, gleiche Plots etc.) Da sich solche typischen Merkmale bereits in der Vergangenheit als erfolgreich etabliert haben, nutzen die Macher diese natürlich, um weiterhin Erfolg zu haben. Mir ist bei der Masse an Animes, die jede Season produziert werden, schon allein am Zeichenstil und auch der Inhaltszusammenfassung aufgefallen, dass sich bestimmte Animeschemata („Süße Mädchen tun süße Dinge“, „ein Kerl wird von anderen Weibern angehimmelt“) doch irgendwie immer wieder finden. Daneben möchte ich aber nicht bestreiten, dass es hin und wieder auch mal Anime gibt, die man zuvor in solch einer Form sehr selten gesehen hat z.B. der aktuelle Anime „Zankyou no Terror“. Doch sind solche Anime, die eher einen ernsteren und kritischen Ton anschlagen, leider eher in der Minderheit. Woran liegt das also? Hier finden wir wieder die Brücke zu der Zielgruppe den „Otakus“ vorwiegend in Japan, die sich an solch ernsten und denkwürdigen Animes weniger vergreifen, als an seichter Melodramatik, unglaubwürdige Action, Moe-Kram und Fanservice. Aber halt, ich möchte damit auf keinen Fall ein Otaku-Klischee manifestieren, aber sind wir doch mal ehrlich, das sind doch die Dinge, die die meisten Otakus wenn nicht sogar Normalo-Fans haben wollen oder seid ihr ja anderer Meinung? Nun schweife ich etwas von meinem eigentlichen Thema ab … Was ich eigentlich damit sagen wollte ist, dass es bei der Produktion der Anime nicht unbedingt in erster Linie um die Qualität geht, sondern um die Erfüllung der Bedürfnisse der jeweiligen Konsumentengruppe und da sind altbewährte Elemente nach wie vor beliebt, auch wenn es wiederum einige wenige kritische Stimmen gibt, die genug davon haben und doch lieber mal Innovatives sehen wollen. Auf welcher Seite würdet ihr euch sehen? Seid ihr Fans, die lieber Bekanntes haben wollt oder seid ihr auch mal risikobereit und lasst euch auf neue, innovative Sachen ein?



Und hier sind wir also bei der eigentlichen Fragestellung. Sind Anime deswegen nicht mehr als besondere Form von Kunst zu verstehen, weil sie sich allein auf den Unterhaltungswert stützen? Ich würde dies verneinen, denn wenn wir Anime mit anderen Medien wie Büchern, Musik und Filmen vergleichen, möchte ich doch auch meinen, dass diese sich besonders an der Unterhaltung der Konsumenten orientieren. Aber da gibt es eben auch Unterschiede innerhalb dieser Medien, nicht nur aufgrund der Genres, sondern auch bezüglich des Anspruches. Das was in den Kinos läuft, sind bspw. wirklich Filme, die nur unterhalten wollen, während es aber auch wirklich künstlerische, kritisch angelegte Filme gibt, die mehr zum Nachdenken anregen und weniger unterhaltsam sind, weil sie sich mit wirklich problematischen Themen beschäftigen, die nicht für das allgemeine Publikum geeignet sind. Solche Filme findet man kaum in den Kinos, weil sie eben nicht wirklich Erfolg einbringen können, wenn es nur wenige gibt, die deren Qualität schätzen würden. Das gleiche kann man auch auf Bücher übertragen. In den Bestsellerlisten finden wir doch auch meist nur Mainstream-Romane, die sogenannte Trivialliteratur wie es Literaturwissenschaftler wohl bezeichnen würden und diese sind auf keinen Fall auf dem gleichen literarisch-künstlerischen Niveau wie ein Faust. Das versteht sich sicher von selbst. Auch hier finden wir wieder den Aspekt, dass anspruchsvolle, qualitativ hochwertige Literatur nicht von der Allgemeinheit konsumiert wird, sondern eher die weniger anspruchsvollen, dafür unterhaltsamen Romane.Was ist jetzt aber das Problem bei der ganzen Sache? Kann man solche Hollywood-Filme und Trivialliteratur gleichfalls wie Animes, die viel Fanservice haben noch als ein Kunstprodukt bezeichnen, nur weil sie Unterhaltung bringen? Ich bin der Ansicht, dass jegliche Anime irgendwo ein Stück Kunst in sich tragen, aber gleichfalls muss man hier Niveauunterschiede definieren. Sehen wir uns doch mal an, woraus Anime sich so zusammen setzen. Anime folgen meistens einer bestimmten Storyline; zuvor muss also jemand eine Geschichte kreieren, diese entfalten, eventuell ein paar Plottwists mit rein bringen und er muss Charaktere erschaffen, die im Idealfall mit der Geschichte wachsen können. Hier braucht es zunächst schriftstellerische Leistung um das Grundgerüst eines Anime zu erschaffen. Natürlich entfaltet sich hier nicht das volle schriftstellerische Potenzial, weil jegliche Beschreibungen von Schauplätzen, Handlungen, Charakterisierungen etc. ausbleiben und durch andere Elemente wie Animationen, Zeichenstil und Musik ersetzt werden. Aber ein schriftstellerische Kern bleibt vorhanden, muss die Geschichte ja irgendwo auch weiter geführt werden und auch Dialoge müssen geschrieben werden. Ich gebe gerne zu, dass der Großteil der Anime keine phänomenalen Handlungen aufweisen, manche sogar gar keine (Slice-of-Life-Animes, Comedy-Animes). Manche Geschichten könnte man sicherlich auch selbst besser schreiben und da fragt man sich echt, welche Drogen die Leute genommen haben, um bestimmte Geschichten zu fabrizieren. Darüber lässt sich bestimmt diskutieren, aber Anime haben im Grunde immer eine Story, die Höhen und Tiefen aufweist und eben auch Charaktere, die die Handlung voran bringen. Auch zu letzteren lassen sich einige Kritikpunkte aufzählen und natürlich sind die Figuren recht klischeemäßig und nicht realistisch genug, um sich 100 pro mit ihnen zu identifizieren. Weiterhin fehlt der Aspekt, dass man den Gedankengang und viele weitere Informationen, die man eventuell aus Romanen erhält, ebenfalls nicht erfahren wird, weil einfach dafür kein Platz ist.
Jedoch finde ich, gibt es wirklich einige sehr interessante Geschichten, die sehr viel Potenzial aufweisen und die man in Filmen sowie Büchern bisher weniger gefunden hat. Wie ich bereits in einem Artikel geschrieben hatte, sind es solche verrückten Storys, die sich nur schwer in Filmen oder Büchern umsetzen lassen und das rechne ich den Animes hoch an.



Anime bestehen aber nicht nur aus Geschichten, sie haben weitere Instrumente um Geschichten optisch und auditiv an das Publikum zu bringen und da zeigt sich doch, dass Anime künstlerisches Potenzial aufweisen. Der besondere Zeichenstil und auch die Animationen machen Anime überhaupt erst zu dem was sie sind. Weil eben der künstlerische wie auch technische-animatorische Aspekt sich vereinen, würde ich schon behaupten, dass Anime in der Hinsicht künstlerische Produkte, wenn nicht gleich Meisterwerke sind. Es ist unglaublich, wie man aus zuvor unbewegten Bildern, dynamische Szenen kreiiert und eben auch actionreiche Sequenzen, die einen wirklich umhauen. Natürlich reicht die Qualität der Animationen nicht immer an Animationen aus Filmen oder Spielen ran, aber einige Animefilme wie bspw. die Filme vom Studio Ghibli sind mit diesen konkurrenzfähig. Ebenfalls finden wir den künstlerischen Aspekt überhaupt im Charaktersetting und auch in Hintergründen, die man meist eher weniger wahrnimmt.

Neben den optischen Dingen haben Anime aber auch klasse Soundtrack, tolle Openings und Endings zu bieten sowie auch solide bis super gute Synchronisation. Gut die Openings und Endings sind vielleicht nicht immer extra für die Anime konzipiert worden, aber einige dann schon und hier kommt also die musikalische Komponente hinzu. Da gibt es auch wirklich erstklassige Backgroundmusik bei einigen Anime wie Wolf´s Rain bspw. wodurch man immer eine wirklich eindringliche Atmosphäre erschaffen wird, wie es bei Filmen oder Games auch der Fall ist. Die Synchronisation, besonders die japanische, sollte man auch nicht unterschätzen. Ich finde diese irgendwie immer passend und da zeigt sich, dass Japaner eben auch durch ihre Stimme ihren Figuren Individualität sowie besonderen Ausdruck verleihen können. Durch ihre Stimmen hauchen sie den Figuren überhaupt erst Leben ein. Außerdem klingt in meinen Ohren die japanische Synchronisation nicht so monoton und abgelesen, wie die deutsche Synchro und man nicht abstreiten, dass hier auch gewisses schauspielerisches Potenzial nötig ist, um Emotionen und Tiefgang in die Stimmen zu integrieren. Also neben dem musikalischen finden wir auch teilweise schauspielerisches Potenzial in Anime wider, wenn auch eben nur hörbar.



Nun haben wir also die größten Elemente von Anime ein wenig unter die Lupe genommen und es bleibt noch immer die Frage offen, ob Animes als Kunstwerke oder lediglich Unterhaltungsprodukte gewertet werden können und noch immer kann ich darauf keine eindeutige Antwort geben. Ich bin der Ansicht, dass das Medium Anime genau wie alle anderen Medien sehr vielfältig und vielschichtig ist, dass aber eine gewisse künstlerische Grundlage in jedem Falle vorhanden ist (Story, Figuren, Musik, Zeichenstil etc.) Der jeweilige künstlerische Anspruch ergibt sich meiner Meinung nach zum einen aus der jeweiligen Zielgruppe der Anime, dann aus dem Genre und sicherlich auch aus der Story heraus. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass solche „Mainstream“-Genres wie Shojo, Comedy, Slice-of-Life oder auch Shonen doch meist eher weniger ausgeklügelte Storys aufweisen mit diversen Plottwists und sehr tiefgründiger Charakterentwicklung, was den schriftstellerischen Aspekt widerspiegelt. Was jedoch den wirklich künstlerischen-zeichnerischen Aspekt betrifft würde ich behaupten, dass besonders Shonen gute Animationen aufweisen im Vergleich zu Slice-of-Life-Anime. Wie gut also das künstlerische Potenzial ausgeschöpft hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab und man kann schlussendlich nicht verallgemeinern, dass alle Anime von minderer künstlerischem Niveau sind, einige haben mehr und einige haben weniger. Dagegen kann man aber doch nahezu ausnahmslos aussagen, dass alle Anime einen Unterhaltungswert sichern wollen, und Dinge wie „zum Nachdenken anregen“ oder weiteres eher an zweiter Stelle steht, außer bei Anime die verzwickte Handlungen aufweisen und meist dem Genre Mystery und Psychological zu zu ordnen sind. Aber auch diese Animes kommen nicht ohne Unterhaltung aus.
Wie immer im Leben ist es nicht möglich irgendwie zu Polarisieren oder zu Pauschalisieren, man muss immer differenzieren und verschiedene Perspektiven einnehmen, um Dinge umfassend beurteilen zu können. So kann man einen Anime nicht darauf beschränken, dass sie nur „Kinderkram“ oder „Pseudopornos“ sind, damit würde man nicht alle vielfältigen Facetten dieses Medium erfassen und ihm unrecht tun. Gleichfalls kann man nicht sagen, dass Anime von Grund auf nur Unterhalten wollen und deswegen auf billige Tricks zugreifen, einige Anime tun das eventuell, andere lassen sich dann doch etwas mehr einfallen. Wie seht ihr das eigentlich? Würdet ihr sagen, dass Anime wirklich nur unterhalten wollen oder denkt ihr eher, dass in Anime mehr als nur das steckt? Ich würde mich sehr über eure Meinungen freuen.

4 Kommentare:

  1. Ich hab den Vorgängerartikel (wenn man es so sehen will) nicht gelesen, finde aber, dass du hier ganz schön was hingelegt hast. Im großen und ganzen muss ich dir natürlich zu stimmen, andererseits denke ich mir: "Du bist schon viel zu oft darauf reingefallen!" Ich bin eher der ausgewogene Typ - ich mag anspruchsvolles, aber hin und wieder möchte ich mir auch gern die Birne mit ziemlich "nichts" zuschütten. Wäre ich Schreiber eines Animes, würde ich wohl eher Storys schreiben, wo sich die Leute denken: "Alter, welche Drogen sind das?" xD

    Auf jeden Fall, Hut ab! Sehr gut geschriebener Artikel, bei mir wäre in jedem dritten Satz ein Schimpfwort. xD Gute Arbeit!

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  2. Vielen dank fuer dein Kommentar und dein Lob. ^^ Finde es toll, wenn Leute sich Zeit nehmen, meine langen Artikel lesen und ein Kommentar hinterlassen. :3 Ich sehe das so wie du, Anime muessen fuer mich mal anspruchsvoll und dann das Gegenteil sein, je nachdem was man eben gerade haben moechte (nachdenken vs. abschalten). Ich wuerde gerne mal Geschichten von dir lesen, die sind bestimmt sehr interessant. :)

    Ich danke dir! :3 Oh wieso denn so viele Schimpwoerter?

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  3. Ich wollte die Leser damals mit Humor zum Lesen bringen. Sprich, unterhalten. Das war der einzige Grund. Davon ist selbst in ernsten Beiträgen meinerseits einiges erhalten geblieben. Das ist so ziemlich der einzige Grund. ^^

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    1. Humoristisch schreiben schaffst du meiner Meinung nach immer noch sehr gut und das bewundere ich auch an deinem Schreibstil. Deswegen finde ich deine Rage-Artikel immer besonders unterhaltsam. :)

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